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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 73. Band, (Jahrgang 1873)

Zeitpunkt  der  slavischen  Ansiedlung  an  der  unteren  Donau.

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Mit  ihnen  vermischte  sich  das  zahlreiche  aus  Carpen  Sarmaten
Bastarnen  und  anderen  Stämmen  gebildete,  gleichfalls  schweifende ­
  Bevölkerungselement,  das  im  Laufe  der  letzten  zwei
Jahrhunderte  auf  der  Halbinsel  war  angesiedelt  worden.  Das
städtische  Leben  Moesiens  und  des  inneren  Thrakiens,  wiederholt ­
  geknickt,  ging  bis  auf  kümmerliche  Beste  unter.  1  Nur
im  Gebirge  fand  die  Bevölkerung  Schutz,  dieses  blieb  denn
auch  romanisch.  Das  südliche  Thrakien  und  Makedonien,
welche  nicht  stets  den  ersten  furchtbarsten  Anprall  zu  erleiden
hatten,  konnten  ihre  Städte  und  ihr  Bürgerthum  länger  bewahren, ­
  besonders  in  den  festen  Plätzen  der  Seeküsten  fand  es
besseren  Schutz.  Hier  aber  war  das  Bürgerthum  ein  griechisches ­
  oder  gräcisirtes.  Von  jetzt  an  wurde  auch  der  griechischredende ­
  Theil  das  einzige,  nicht  wie  bisher  nur  das  vorzüglichste ­
  Culturelement  des  Reichs,  und  so  musste  auch  im  amtlichen ­
  Gebrauche  das  Latein  dem  Griechischen  endlich
weichen. 2

Hier  stehe  ich  nun  an  dem  Punkte,  den  zu  untersuchen
ich  mir  vornahm,  der  Bestimmung  des  eigentlichen  Zeitpunkts,  in
welchem  die  Slaven  von  öfteren  vorübergehenden  Plünderungszügen ­
  zur  Ansiedlung  in  der  Halbinsel  selbst  übergingen.  Ich
bin  genüthigt,  von  meinen  Vorgängern  in  der  Forschung  abzuweichen, ­
  weil  ich  glaube,  dass  eine  genauere  Prüfung  der  Nachrichten ­
  zu  einem  richtigeren  und  etwas  bestimmteren  Ergebnisse ­
  gelangen  lasse,  als  bisher  erreicht  wurde.
1  Die  lateinische  Sprache  war  Sprache  des  Heeres  noch  am  Ende  des
0.  Jahrhunderts,  Theophylact.  S.  254.  272.  Sie  heisst  "drp'.oc  rtov  PtopLahov
iptov/|  272  oder  rrarpio?  <piovyj  schlechthin  254.  260.  264.  296  oder  ijw/wpto;
'(Xu'lTTT]  S.  99.
2  Von  dem  Uebergange  aus  sesshaftem  Leben  zu  einem  beweglichen  haben
wir  ein  Beispiel  auf  anderem  Gebiete  an  den  Tscheyenne-Indianern.  ,Von
ihren  Feinden,  den  Sioux,  verfolgt  und  schliesslich  selbst  aus  ihrem  befestigten ­
  Dorfe  vertrieben,  brach  dem  Stamme  das  Herz.  Ihre  Zahl  war
zusammen  geschmolzen,  sie  durften  nicht  mehr  wagen,  sich  ständige
Wohnungen  zu  errichten,  sie  gaben  die  Bebauung  des  Bodens  auf  und
wurden  ein  wandernder  Jägerstamm,  dessen  werthvolles  Vermögen  nur
in  einigen  Pferden  bestand.*  Edward  B.  Tylor,  die  Anfänge  der  Cultur,
Leipzig  1873,  1,  47.
            
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