Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 72. Band, (Jahrgang 1872)

56

Ficker.

wären,  nötliigte,  zum  Ersätze  einen  Halt  in  einer  Institution
zu  suchen,  welche  ihrem  Ursprünge  nach  gar  nicht  dazu  bestimmt ­
  war,  den  Zwecken  des  Staates  zu  dienen,  welche  trotz
weitgehendster  Verweltlichung  doch  der  Abhängigkeit  von  der
höchsten  kirchlichen  Gewalt  nie  ganz  zu  entziehen  war,  von
der  nicht  zu  erwarten  stand,  dass  das  Reich  unter  allen  Verhältnissen ­
  unbedingt  auf  sie  werde  zählen  können.  In  einer
Zeit,  wo  unter  Einwirkung  des  Feudalismus  die  weltliche  Staatsordnung ­
  den  Dienst  versagte,  mochte  das  freilich  als  der  einzig
mögliche  Ersatz  erscheinen.  Und  zeitweise  hat  das  Verhältniss
dem  Zwecke  durchaus  entsprochen.  Hätten  die  Umstände  es
zugelassen,  dasselbe  nur  als  Durchgangszustand  zu  Behandeln,
zeitweise  durch  dasselbe  gedeckt,  dem  Königthume  neue,  naturgemässere
  Machtgrundlagen  wiederzuschaffen,  wie  das  unter
günstigeren  Verhältnissen  sehr  wohl  im  Bereiche  der  Möglichkeit ­
  gelegen  hätte,  so  würde  es  dann  nachträglich  auch  nicht
gerade  schwer  gewesen  sein,  eine  Doppelstellung  des  deutschen
Bisthums  wieder  zu  beseitigen,  welche  doch  nur  den  besondern
Verhältnissen  einer  bestimmten  Zeit  gegenüber  als  berechtigt
erscheinen  konnte.  Aber  zu  solcher  Lösung  war  dem  Königthume ­
  die  Zeit  nicht  gegönnt.  Je  mehr  dasselbe  auf  das
Reichsbisthum  als  Hauptstütze  seiner  Macht  hingewiesen  war,
um  so  bedenklicher  war  es,  dass  es  gerade  in  dieser  seiner
stärksten  Stellung  jederzeit  den  Angriffen  der  rivalisirenden
päpstlichen  Gewalt  ausgesetzt  war.  Aus  dem  Investiturstreite
ging  das  Königthum  nicht  ohne  Opfer,  aber  doch  in  so  weit
als  Sieger  hervor,  als  es  sich  in  den  wesentlichsten  Befugnissen
gegenüber  den  Reichskirchen  behauptete.  Noch  in  der  früheren
staufischen  Zeit  verdankte  es  diesen  seine  hauptsächlichsten
Erfolge.  Aber  nach  dem  Tode  des  sechsten  Heinrich  trat  die
entscheidende  Wendung  ein.  Der  lange  Streit  um  die  Krone
ermöglichte  es  dem  Pabstthume,  die  Lösung  in  seinem  Sinne
zu  erzwingen.  Das  Aufhören  der  weltlichen  Stellung  des  Bisthums ­
  überhaupt  war  allerdings  'nie  das  gewesen,  was  man
kirchlicherseits  in’s  Auge  gefasst  hatte.  Was  den  Bischöfen
in  Folge  jener  eigenthümlichen  Gestaltung  von  Rechten  und
Gütern  des  Reichs  übertragen  war,  das  blieb  ihnen  unverkürzt.
Das  was  beseitigt  wurde,  war  der  Einfluss  des  Kaisers  auf  ihre
Bestellung,  die  meisten  der  Leistungen,  zu  welchen  sie  dem
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.