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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 72. Band, (Jahrgang 1872)

Ficker.  Ueber  das  Eigenthum  des  Reichs  am  Reichskirchengute.

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Ueber  das  Eigenthum  des  Reichs  am  Reichskirchengute.

Von
Julius  Picker.

In  den  Zeiten  des  Durchdringens  des  Feudalismus,  als
der  früher  vom  Könige  nach  seinem  Ermessen  gesetzte  Beamte
zu  einem  erblichen  Vasallen  mit  sehr  beschränkten  Leistungen
geworden  war,  als  der  allgemeine  Unterthanenverband  nur  noch
untergeordnete  Bedeutung  hatte,  insbesondere  der  Reichskriegsdienst
  nicht  mehr  auf  ihm,  sondern  nur  auf  besonderer  Verpflichtung ­
  beruhte,  fand  das  Königthum  seine  Hauptstütze  in
den  eigenthümlic.hcn  Beziehungen,  in  welchen  einmal  die  Reichsdienstmannen, ­
  dann  insbesondere  die  Reichskirchen  zu  ihm
standen.  Politische  und  wirtschaftliche  Gesichtspunkte  griffen
da  ineinander.  Das  Königthum  würde  seiner  Aufgabe  nicht
mehr  haben  genügen  können,  hätte  sein  Einfluss  auf  die
Besetzung  der  Bisthümer  und  Abteien  des  Reichs  es  ihm  nicht
ermöglicht,  nach  eigener  Wahl  Personen,  auf  deren  Ergebenheit
und  Fähigkeit  es  rechnen  konnte,  in  einflussreicher  Stellung
in  den  verschiedenen  Tlieilen  des  Reiches  den  Erbfürsten  gegenüber ­
  zu  stellen;  hätten  ihm  weiter  nicht  die  gewaltigen  Leistungen, ­
  zu  welchen  die  Reichskirchen  dem  Reiche  verpflichtet
waren,  die  materiellen  Hülfsmittcl  zur  Durchführung  seiner
politischen  Ziele  geboten.  Allerdings  hatte  das  seine  sehr
bedenkliche  Seite.  Es  lag  etwas  Unnatürliches  in  einer  Gestaltung, ­
  welche  die  höchste  weltliche  Gewalt  beim  Schwinden
ihres  Einflusses  auf  diejenigen,  welche  als  weltliche  Beamte
zunächst  zur  Durchführung  ihres  Willens  berufen  gewesen
            
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