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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 72. Band, (Jahrgang 1872)

Zur  egyptischou  Forschung  Herodot’s.

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Nur  dieser  Gleichgiltigkeit  gegen  die  egyptische  Tradition
ist  man  denn  auch  zunächst  geneigt  es  zuzuschreiben,  wenn  er
unmittelbar  auf  diesen  Moeris  seinen  Sesostris  folgen  lässt.  Es
ist  vermuthet  worden,  dass  er  den  nachweislichen  Vollender
des  Ueberschwemmungssees,  Amenemhe  III.,  für  Moeris  gehalten ­
  habe;  ferner  habe  er  in  den  demselben  vorangehenden  drei
Osortasen  der  zwölften  Dynastie  (deren  mindestens  zwei  ebenfalls ­
  nachweislich  tüchtige  Kriegsfürsten  waren,  und  deren
zweiter  auch  bei  Manetho  Sesostris  heisst),  Elemente  seines
Sesostris  gefunden;  diese  Elemente  seien  aber  aus  den  Geschichten ­
  der  neunzehnten  manethonischen  Dynastie  mit  dem
ähnlich  lautenden  Königsnamen  Sethos  I.  oder  Set  Merenphtah
und  seinem  Sohne  Ramses  Meriamun  vermehrt  worden.  Nun
ist  unbestreitbar  1  richtig,  dass  einem  so  grossen  Gelehrten  wie
Eratosthenes  etwa  dritthalb  hundert  Jahre  nach  Herodot  aus
ähnlichen  mindestens  halb  religiösen  Gründen  —•  indem  er
einen  König  der  neunzehnten  Dynastie  mit  Hermes  Hephäst’s
Sohne  gleich  setzte  —  ein  solcher  Sprung  aus  der  zwölften  in
die  neunzehnte  Dynastie  nothwendig  schien.  Herodot  hatte  aber
gar  keinen  Anlass  zu  einem  so  gelehrten  Wagnisse.  Denn  in
die  Geschichten  seines  Sesostris  hat  er  (II,  102—111),  wie  er
wiederholt  versichert,  einfach  nach  den  Angaben  der  von  ihm
befragten  Priester,  sämmtliche  bedeutende  Eroberungsgeschichten ­
  des  egyptischen  Reiches,  namentlich  auch  die  Züge  Thutmosis’
  III.  zu  Lande  und  zur  See,  neben  einer  Reihe  von  Phantasiegebilden ­
  seiner  Gewährsmänner  zusammenziehen  müssen.
Das  Sonderbarste  ist  vielleicht,  dass  sie  ihm  sagten  (II,  110),
dieser  König  allein  habe  auch  Aethiopien  beherrscht,  während
wir  aus  Una’s  Inschrift 2  mit  aller  Sicherheit  wissen,  dass  Aethiopien ­
  dem  kriegerischsten  Könige  der  sechsten  Dynastie  Merira-Pepi
  und  wohl  diesem  zuerst  gehorchte,  zahlreiche  andere  Inschriften ­
  aber  darthun,  dass  es  unter  der  zwölften  Dynastie  in

1  v.  Gutsclnnid,  Beiträge  zur  Geschichte  des  alten  Orients  (Leipzig-  1857),
S.  3  flgde.
2  Vic tc  de  Rouge,  recherches  sur  les  monuments  qu'on  peut  attribuer  aux
six  premieres  dynasties  de  Manethon,  Paris  1866,  p.  123,  143.  Zwischen
Ausarbeitung  und  Druck  dieser  Abhandlung  fällt  die  erschütternde  Kunde
von  dem  Hinscheiden  dieses  herrlichen  Forschers  am  31.  December  1872.
            
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