Zur egyptischou Forschung Herodot’s.
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Nur dieser Gleichgiltigkeit gegen die egyptische Tradition
ist man denn auch zunächst geneigt es zuzuschreiben, wenn er
unmittelbar auf diesen Moeris seinen Sesostris folgen lässt. Es
ist vermuthet worden, dass er den nachweislichen Vollender
des Ueberschwemmungssees, Amenemhe III., für Moeris gehalten
habe; ferner habe er in den demselben vorangehenden drei
Osortasen der zwölften Dynastie (deren mindestens zwei ebenfalls
nachweislich tüchtige Kriegsfürsten waren, und deren
zweiter auch bei Manetho Sesostris heisst), Elemente seines
Sesostris gefunden; diese Elemente seien aber aus den Geschichten
der neunzehnten manethonischen Dynastie mit dem
ähnlich lautenden Königsnamen Sethos I. oder Set Merenphtah
und seinem Sohne Ramses Meriamun vermehrt worden. Nun
ist unbestreitbar 1 richtig, dass einem so grossen Gelehrten wie
Eratosthenes etwa dritthalb hundert Jahre nach Herodot aus
ähnlichen mindestens halb religiösen Gründen —• indem er
einen König der neunzehnten Dynastie mit Hermes Hephäst’s
Sohne gleich setzte — ein solcher Sprung aus der zwölften in
die neunzehnte Dynastie nothwendig schien. Herodot hatte aber
gar keinen Anlass zu einem so gelehrten Wagnisse. Denn in
die Geschichten seines Sesostris hat er (II, 102—111), wie er
wiederholt versichert, einfach nach den Angaben der von ihm
befragten Priester, sämmtliche bedeutende Eroberungsgeschichten
des egyptischen Reiches, namentlich auch die Züge Thutmosis’
III. zu Lande und zur See, neben einer Reihe von Phantasiegebilden
seiner Gewährsmänner zusammenziehen müssen.
Das Sonderbarste ist vielleicht, dass sie ihm sagten (II, 110),
dieser König allein habe auch Aethiopien beherrscht, während
wir aus Una’s Inschrift 2 mit aller Sicherheit wissen, dass Aethiopien
dem kriegerischsten Könige der sechsten Dynastie Merira-Pepi
und wohl diesem zuerst gehorchte, zahlreiche andere Inschriften
aber darthun, dass es unter der zwölften Dynastie in
1 v. Gutsclnnid, Beiträge zur Geschichte des alten Orients (Leipzig- 1857),
S. 3 flgde.
2 Vic tc de Rouge, recherches sur les monuments qu'on peut attribuer aux
six premieres dynasties de Manethon, Paris 1866, p. 123, 143. Zwischen
Ausarbeitung und Druck dieser Abhandlung fällt die erschütternde Kunde
von dem Hinscheiden dieses herrlichen Forschers am 31. December 1872.