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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 72. Band, (Jahrgang 1872)

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Büdinger.

Osiris,  der  Vater  des  letzten  Götterkönigs  nach  egyptischer
Lehre,  identisch  mit  Dionysos  sei,  dessen  Geburt  ,vor  etwa
1600  Jahren',  d.  h.  um  2050  v.  Chr.  feststehe.  Wie  mochte  er
sich  daher  entschliessen,  die  341  Könige  zu  acceptiren,  die
ihm,  nach  Generationen  berechnet,  die  unglaubliche  Summe  von
11340  Jahren  rein  menschlicher  Regierungen  ergaben!
Er  schenkte  also  der  Vorlesung  jener  Namen  um  so
weniger  Aufmerksamkeit,  als  die  Priester  von  der  bei  Weitem
überwiegenden  Mehrzahl  begreiflicher  Weise  nichts  Erhebliches
zu  sagen  wussten  und  sich  eben  auf  die  Vorlesung  ihrer  lüste
beschränkten. 1  Den  330.  Namen  nach  dem  Reichsgründer  Mena
aber  bezeichneten  sie  ihm  als  den  eben  des  Königs  Moeris,
welcher  unter  Anderem  den  Ueberschwemmungssee 2  bei  dem
Labyrinth  habe  graben  lassen  und  von  dem  auch  die  Pyramiden ­
  in  diesem  Wasserwerke  herrühren.  Nun  hatte  man  ihm
freilich,  wie  im  ersten  Theile  seiner  Aufzeichnungen  zu  lesen
ist,  dort  gesagt  (II,  13),  dass  Moeris  ,vor  noch  nicht  900  Jahren', ­
  d.  h.  um  1350  gelebt  habe  —-  wie  man  etwa  dem  Diodor
das  Zeitalter  dieses  Königs  sehr  nett  auf  zwölf  Generationen  nach
dem  Erbauer  von  Memphis  bestimmte.  Nach  Moeris  aber  wurden
Herodot  nur  noch  zehn  oder  elf  Königsnamen  bis  auf  Psammitich
  verlesen,  so  dass  jede  Regierung  seit  Moeris  etwa  sechzig
Jahre  gedauert  haben  müsste.  Es  ist  nur  eine  sonderbare  Auskunft ­
  und  keineswegs,  wie  Perizonius  und  Niebuhr 3  meinten,
eine  falsch  gelesene  Ziffer,  wenn  er  einen  dieser  Nachfolger,
den  Zeitgenossen  des  Aethiopen  Sabakos  (um  730  bis  nach  710)
siebenhundert  Jahre  vor  Amyrtaios,  d.  h.  vor  seine  eigene  Zeit
(um  1150)  setzt.

1  twv  o'e  aXkio'i  ßaoiWuw  ou  y'ap  Eyov  ouoEptav  l'pyoiv  ootoSe?iv  xat’  ouoev
eIvou  Xa[j.5ipÖT7)T0;  II.  101.
2  ,Phiöm  en  mere‘  nach  Lepsius  Chronologie  I,  265  der  Anlass  zu  den
Moerisgescliiehten,  von  Brugsch  (hist.  d’Egypte  I,  67)  speciell  durch  Meri
,See‘  erklärt.  Bei  dem  Reichthum  an  Königsnamen  wäre  aber  ein  derartiges ­
  Missverständniss  über  den  König,  dem  die  Tradition  noch  zu
Diodor’s  (I,  50  flg.)  Zeit,  d.  h.  im  J.  57  v.  Chr.  (Lepsius  a.  a.  O.  257),
wie  zu  der  Herodot’s  unter  einer  Reihe  bestimmter  Werke  auch  dieses
zusehrieb,  kaum  verständlich.
3  Vorlesungen  über  alte  Geschichte  1,  82.  Herodot  hat  bei  der  Ausarbeitung ­
 -  der  Erzählung  schwerlich  auch  nur  einmal  Ziffern  gebraucht.
            
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