Zur egyp tischen Forschung Herodot’s.
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gleichen Werth gehabt haben. Wenn, wie doch am wahrscheinlichsten,
die Fragmente des Turiner Verzeichnisses den Zeiten
der neunzehnten Dynastie angehören, so hätte man nächst
demselben in dem Herodot um die Mitte des fünften Jahrhunderts
vor Christo vorgetragenen das älteste uns bekannte und
eine Recension der ähnlichen Vorlagen zu erkennen, an deren
Hand Manetho sowohl im Texte als im Registeranhange seines
Werkes arbeitete.
Denn so unschätzbar für die Forschung bei dem jetzigen
Stande des Materiales die Auswahlen anzubetender Könige sind,
welche die Wandschilderungen Tuthmosis III. und Sethos I.
und das Grab des Priesters Tunari bieten, so würden sie doch
kaum anders als antiquarisch in Betracht kommen, wenn uns
der Turiner Papyrus unverletzt oder die jüngere, Herodot vorgelesene
Liste erhalten wäre.
Aber unser Geschichtschreiber war weit entfernt, dem
ihm vorgetragenen Stücke eine so hohe Bedeutung beizumessen.
Denn seine religiösen Ueberzeugungen standen in unvereinbarem
Widerspruche mit der gelehrten Ueberlieferung der
freundlichen Priesterschaft von Theben.
Sie las ihm 341 Namen menschlicher Könige, die vor
Psammitich I., 1 d. h. mehr als zweihundert Jahre vor Herodot’s
egyptischer Reise, regiert hätten. Die thebanische Geistlichkeit
gedachte ihn durch ihr an sich unverwerfliches Zeugniss der
Königsliste und durch die lange Reihe von 345 Holzstatuen
ihrer erblichen Oberpriester zu belehren, dass die griechischen
Dogmen von dem Leben der Götter auf Erden chronologischen
Bedenken unterliegen. Wie aber der edle milesische Forscher,
der viel früher den gleichen Vorstellungen widerstanden hatte, wie
Hekataios seinen eigenen Ahnherrn im sechzehnten Gliede, der
notorisch ein Gott war, als unbestreitbares Exempel gegen die
egyptische Weisheit anführen konnte, so macht Herodot nicht
minder überzeugt chronologische Daten aus griechischer Specialgeschichte
geltend. 2 Das wichtigste Argument ist ihm, dass
1 Genauer bis zur Regierung von Sanherib’s egyptiscliem Zeitgenossen, den
Herodot Sethos nennt: £; xoü 'Htpaiaxou xov Ipfa xouxov xov xeLuxouov
(II, 142). Auf diesen folgt ihm aber unmittelbar (II, 147) die Dodekarchie
mit Psammitich.
2 II. 142—145, 100, 101.