Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 72. Band, (Jahrgang 1872)

Zur  egyp  tischen  Forschung  Herodot’s.

573

gleichen  Werth  gehabt  haben.  Wenn,  wie  doch  am  wahrscheinlichsten, ­
  die  Fragmente  des  Turiner  Verzeichnisses  den  Zeiten
der  neunzehnten  Dynastie  angehören,  so  hätte  man  nächst
demselben  in  dem  Herodot  um  die  Mitte  des  fünften  Jahrhunderts ­
  vor  Christo  vorgetragenen  das  älteste  uns  bekannte  und
eine  Recension  der  ähnlichen  Vorlagen  zu  erkennen,  an  deren
Hand  Manetho  sowohl  im  Texte  als  im  Registeranhange  seines
Werkes  arbeitete.
Denn  so  unschätzbar  für  die  Forschung  bei  dem  jetzigen
Stande  des  Materiales  die  Auswahlen  anzubetender  Könige  sind,
welche  die  Wandschilderungen  Tuthmosis  III.  und  Sethos  I.
und  das  Grab  des  Priesters  Tunari  bieten,  so  würden  sie  doch
kaum  anders  als  antiquarisch  in  Betracht  kommen,  wenn  uns
der  Turiner  Papyrus  unverletzt  oder  die  jüngere,  Herodot  vorgelesene ­
  Liste  erhalten  wäre.
Aber  unser  Geschichtschreiber  war  weit  entfernt,  dem
ihm  vorgetragenen  Stücke  eine  so  hohe  Bedeutung  beizumessen.
Denn  seine  religiösen  Ueberzeugungen  standen  in  unvereinbarem ­
  Widerspruche  mit  der  gelehrten  Ueberlieferung  der
freundlichen  Priesterschaft  von  Theben.
Sie  las  ihm  341  Namen  menschlicher  Könige,  die  vor
Psammitich  I., 1  d.  h.  mehr  als  zweihundert  Jahre  vor  Herodot’s
egyptischer  Reise,  regiert  hätten.  Die  thebanische  Geistlichkeit
gedachte  ihn  durch  ihr  an  sich  unverwerfliches  Zeugniss  der
Königsliste  und  durch  die  lange  Reihe  von  345  Holzstatuen
ihrer  erblichen  Oberpriester  zu  belehren,  dass  die  griechischen
Dogmen  von  dem  Leben  der  Götter  auf  Erden  chronologischen
Bedenken  unterliegen.  Wie  aber  der  edle  milesische  Forscher,
der  viel  früher  den  gleichen  Vorstellungen  widerstanden  hatte,  wie
Hekataios  seinen  eigenen  Ahnherrn  im  sechzehnten  Gliede,  der
notorisch  ein  Gott  war,  als  unbestreitbares  Exempel  gegen  die
egyptische  Weisheit  anführen  konnte,  so  macht  Herodot  nicht
minder  überzeugt  chronologische  Daten  aus  griechischer  Specialgeschichte ­
  geltend. 2  Das  wichtigste  Argument  ist  ihm,  dass

1  Genauer  bis  zur  Regierung  von  Sanherib’s  egyptiscliem  Zeitgenossen,  den
Herodot  Sethos  nennt:  £;  xoü  'Htpaiaxou  xov  Ipfa  xouxov  xov  xeLuxouov
(II,  142).  Auf  diesen  folgt  ihm  aber  unmittelbar  (II,  147)  die  Dodekarchie
mit  Psammitich.
2  II.  142—145,  100,  101.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.