Zur egyptisclien Forschung Herodot’s.
571
Nun hat Herodot das Land bis nach Elefantine im Süden
und das ganze Deltaland im Norden bereisen, das Letztere,
wenn auch ungenau genug, 1 vermessen können und überall
freundliche Information, namentlich von der Priesterschaft erhalten.
Egypten erscheint bei ihm durchaus ungetrennt und in
einem Zustande des Friedens.
Zwischen den eben gewonnenen Zeitgrenzen liegen aber
zwei Epochen einheitlicher und friedlicher Regierung des Landes.
Die eine nach der Schlacht von Salamis im Sommer 449. 2
Die Frage, ob in diesem oder einem der nächstfolgenden Jahre
ein Vertrag zwischen Athen und dem Perserkönig verabredet
worden sei, der ohnehin, wenn abgeschlossen, eine ,praktische
Bedeutung* nie erlangt hat, 3 darf hier unerörtert bleiben. Sicher
trat aber ein factischer Zustand der Ruhe ein, welcher einem
griechischen Reisenden vielleicht den Besuch Egyptens, Syriens
4 und Babylons in einem der nächsten Jahre ermöglichte.
Ob einem solchen Reisenden freilich bei der noch frischen Erinnerung
an die Gefährdung der Landesherrschaft durch Athen
Landvermessungen und so vielfache Erkundigungen von den
Persern in Egypten gestattet worden wären, lässt sich vielleicht
bezweifeln.
Die andere Friedensepoche ist die von Inaros’, oder wenn
man nach Thukydides’ Worten 5 will, ,der Athener Herrschaft*.
Diese dauerte bis zum Siege des Megabazos über Beide vier
und halbes Jahr bis 456 oder 455 v. Chr. Nach diesem Siege
war bis 449 an ein Bereisen des im Süden und der Mitte von
den Persern, im Delta von Amyrtaios beherrschten Landes in
Herodot’s Weise nicht zu denken. Zwischen 460 und 456 ist
1 Gardner Wilkimon in Rawlinson’s Herodotus II, 6.
2 Wie Stein zu Herodot (1S72) S. XV behaupten kann: ,folglich bleibt für
,H’s egyptische Reise nur die Zeit zwischen 454 und 449 übrig 1 , ist mir
unverständlich.
3 Köhler, Urkunden und Untersuchungen zur Geschichte 1 des attisch-delisclien
Bundes (Abhandlungen der Berliner Akademie 1869) S. 121.
4 Tyrus mindestens scheint er nach II, 44 von Egypten aus besucht zu
haben. Stein (1872), S. XIV lässt ihn wegen des Xöytn in II, 150 von
der egyptisclien Reise nach Assyrien und gar nach dem eigentlichen
Persien kommen, das er schwerlich je betreten hat.
6 Tb pH 7tpärtov expoaouv 1% AiyÜTCTOu ’AOrjvaTin I, 109.
37*