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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 72. Band, (Jahrgang 1872)

Zur  egyptisclien  Forschung  Herodot’s.

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Nun  hat  Herodot  das  Land  bis  nach  Elefantine  im  Süden
und  das  ganze  Deltaland  im  Norden  bereisen,  das  Letztere,
wenn  auch  ungenau  genug, 1  vermessen  können  und  überall
freundliche  Information,  namentlich  von  der  Priesterschaft  erhalten. ­
  Egypten  erscheint  bei  ihm  durchaus  ungetrennt  und  in
einem  Zustande  des  Friedens.
Zwischen  den  eben  gewonnenen  Zeitgrenzen  liegen  aber
zwei  Epochen  einheitlicher  und  friedlicher  Regierung  des  Landes. ­
  Die  eine  nach  der  Schlacht  von  Salamis  im  Sommer  449. 2
Die  Frage,  ob  in  diesem  oder  einem  der  nächstfolgenden  Jahre
ein  Vertrag  zwischen  Athen  und  dem  Perserkönig  verabredet
worden  sei,  der  ohnehin,  wenn  abgeschlossen,  eine  ,praktische
Bedeutung*  nie  erlangt  hat, 3  darf  hier  unerörtert  bleiben.  Sicher
trat  aber  ein  factischer  Zustand  der  Ruhe  ein,  welcher  einem
griechischen  Reisenden  vielleicht  den  Besuch  Egyptens,  Syriens ­
 4  und  Babylons  in  einem  der  nächsten  Jahre  ermöglichte.
Ob  einem  solchen  Reisenden  freilich  bei  der  noch  frischen  Erinnerung ­
  an  die  Gefährdung  der  Landesherrschaft  durch  Athen
Landvermessungen  und  so  vielfache  Erkundigungen  von  den
Persern  in  Egypten  gestattet  worden  wären,  lässt  sich  vielleicht ­
  bezweifeln.
Die  andere  Friedensepoche  ist  die  von  Inaros’,  oder  wenn
man  nach  Thukydides’  Worten  5  will,  ,der  Athener  Herrschaft*.
Diese  dauerte  bis  zum  Siege  des  Megabazos  über  Beide  vier
und  halbes  Jahr  bis  456  oder  455  v.  Chr.  Nach  diesem  Siege
war  bis  449  an  ein  Bereisen  des  im  Süden  und  der  Mitte  von
den  Persern,  im  Delta  von  Amyrtaios  beherrschten  Landes  in
Herodot’s  Weise  nicht  zu  denken.  Zwischen  460  und  456  ist

1  Gardner  Wilkimon  in  Rawlinson’s  Herodotus  II,  6.
2  Wie  Stein  zu  Herodot  (1S72)  S.  XV  behaupten  kann:  ,folglich  bleibt  für
,H’s  egyptische  Reise  nur  die  Zeit  zwischen  454  und  449  übrig 1 ,  ist  mir
unverständlich.
3  Köhler,  Urkunden  und  Untersuchungen  zur  Geschichte 1  des  attisch-delisclien
Bundes  (Abhandlungen  der  Berliner  Akademie  1869)  S.  121.
4  Tyrus  mindestens  scheint  er  nach  II,  44  von  Egypten  aus  besucht  zu
haben.  Stein  (1872),  S.  XIV  lässt  ihn  wegen  des  Xöytn  in  II,  150  von
der  egyptisclien  Reise  nach  Assyrien  und  gar  nach  dem  eigentlichen
Persien  kommen,  das  er  schwerlich  je  betreten  hat.
6  Tb  pH  7tpärtov  expoaouv  1%  AiyÜTCTOu  ’AOrjvaTin  I,  109.

37*
            
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