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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 72. Band, (Jahrgang 1872)

Zur  egyptischen  Forschung  Herodot’s.

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Unseres  Autors  ethnographisch-historische  Darstellung  Egyptens
—  die  A'.Y’jTiTiot  Xöyot,  wie  er  die  Arbeit  gleich  seinen  assyrischen, ­
  1  seinen  libyschen  (II,  161,  IV,  159—200)  Darstellungen
und  anderen  Elementen  seiner  Sammlung  genannt  haben  dürfte
—  d.  h.  vom  zweiten  Capitel  des  zweiten  Buches  bis  zum
Ende  desselben  bildet  aber  durchaus  ein  geschlossenes  Ganzes,
für  dessen  Einfügung  in  die  uns  jetzt  vorliegende  Gesammtgestaltung-
  des  Werkes  chronologische  Anhaltspunkte  äusserer
Art  schlechterdings  nicht  vorliegen.
Denn  unmittelbar  schliesst  sich  an  das  Ende  des  ersten
Capitels  des  zweiten  Buches  der  Anfang  des  dritten  Buches
an:  Kambyses,  heisst  es  dort,  unternahm  den  Feldzug  gegen
Egypten  aXXoog  ts  xapaXaßoiv  twv  vjp/e  zai  Sr]  y.ai  'EXXvjvwv  twv
exsxpäTee;  hier  aber  wird  fortgefahren  Umvac  ze  •/.«!  AtoXsa?  St’
atxt’/]v  -otrjvoE,  so  dass  der  Leser  in  ungestörtem  Zusammenhänge
bleiben  würde,  wenn  auch  das  Stück  über  Egypten  fehlte.
Der  auf  uns  gekommene  Text  aber  zeigt  eine  doppelte  Bedachts ­

  zur  Uebergabe  von  Samos  an  Syloson  (III,  149  §.  1),  vielleicht  bis
zu  einem  andern  nachweislichen  Schlusspunkte  schon  damals,  zwischen
447  und  442,  geführtes  Ganzes  zu  betrachten  sein.
1  Wenn  Kirchlioff  annimmt,  dass  für'  die  I,  106  und  I,  184  in  Aussicht
gestellten  'Auauptoi  Aöyot  die  Geschichte  des  babylonischen  Aufstandes
gegen  Darius  (III,  150—-160)  ,die  nächste  und  passendste,  ja  einzige
Gelegenheit 1  (Abfassungszeit  4)  geboten  habe,  so  ist  einerseits  zu  bemerken, ­
  dass  die  Geschichte  dieses  Aufstandes  selbst  einen  rein  episodischen ­
  Charakter  trägt,  dessen  Quelle  naheliegt  (vergl.  die  vorige  Aum.),
anderseits  aber  hervorzuheben,  dass  II.  wie  die  libyschen,  so  die  skythischeu
und  die  (I,  95)  zur  Einleitung  der  persischen  Reichsbildung  verwendeten
lydischen  Geschichten,  ja  die  seiner  eigenen  kleinasiatischen  Landsleute
(I.  142—150),  nie  bei  Gelegenheit  eines  Aufstandes,  sondern  jedesmal
vor  dem  entscheidenden  Eroberungszuge  der  Perser  einreiht.  Wenn  er
sich  nun  bei  Gelegenheit  der  Eroberung  von  Babylon,  nach  seiner  Anschauung ­
  eines  Theiles  von  Assyrien  (I,  106,  192;  III,  92),  mit  einigen
speciell  babylonischen  Geschichten  und  Schilderungen  begnügt,  die  Gesammtheit
  der  assyrischen  aber  noch  zurücklegt,  so  dürfte  er  für  diese
aus  seinem  Materiale  eine  ähnliche  Darstellungsform  wie  für  die  egyptischen ­
  beabsichtigt  haben,  die  ja  auch  erst  nachträglich  eingefügt  und
vermuthlich  ausgearbeitet  worden  sind.  Immerhin  glaubte  Herodot  den
Nachrichten  über  Egypten  den  grössten  Umfang  geben  zu  müssen,  weil
sich  hier  (II,  35)  ,das  meiste-  Bewunderungswürdige  und  die  grössten
Werke 1  finden.
            
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