Rede des Papstes Hadrian II. v. J. 869.
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allerdings in einem unverkennbaren innern Zusammenhang mit
dem ersten Theil seiner Rede steht, die aber in vorderster
Linie nicht die Bestimmung hat seine früher ausgesprochenen
Ansichten zu begründen, sondern wesentlich einen allgemeinen,
mehr theoretischen Charakter an sich trägt. Der Papst stellt
sich die Aufgabe die von verschiedenen Seiten angegriffene
Machtfülle des Primats durch Autoritäten quellenmässig zu
begründen. Er bringt deshalb eine ganze Reihe von Citaten,
welche sämmtlich den pseudo-isidorischen Decretalen entlehnt
sind. Vor allen sind es die beiden mit der älteren, auf den
ächten Quellen beruhenden Disciplin durchaus in Widerspruch
stehenden Sätze, dass kein Bischof ohne die Autorität des
apostolischen Stuhles gerichtet und keine Synode ohne seine
Autorität gehalten werden könne, welche in dieser pseudoisidorischen
Studie Hadrian’s hervortreten.
Es ist gewiss; dass vor dem Ende des Jahres 864 keine
Spuren einer Bekanntschaft mit den Machwerken der grossartigsten
Fälschung von Rechtsquellen, die in der Geschichte
vorkommt, in päpstlichen Kundgebungen sich nachweisen lassen.
In einer am Christabend des Jahres 864 in der Sache Rothad’s
von Soissons gehaltenen Rede 1 nimmt Nicolaus I. auf die
falschen Decretalen allgemein Bezug. 2 Auf eben diese Decretalen
priscorum pontificum Romanorum, welche die römische
Kirche ,in ihren Archiven' aufbewahre, beruft er sich in dem
bekannten, kaum einen Monat später an die Erzbischöfe und
Bischöfe des westfränkischen Reichs gerichteten Schreiben über
dieselbe Sache 3 und vindicirt ihre Geltung gegenüber dem
Einwand, dass sie in der dionysisch-hadrianischen Sammlung,
dem codex canonum, den Karl der Grosse selbst im Jahre 774
in’s Frankenreich gebracht hatte, 4 nicht enthalten seien. 5 Doch
1 Mansi 1. c. col. 686.
2 S. auch Diimmler a. a. O. 8. 537, Hinschius Decretales Pseudo-Isidorianae
p. CCVI.
3 Mansi 1. c. col. 693.
4 S. meine Geschichte der Quellen und der Literatur des can. Rechts
Bd. 1 §.588.
5 S. Wasserschieben Beiträge zur Gesch. der falschen Decretalen S. 6,
Diimmler a. a. 0. 8. 537, Hinschius 1. c. p. CCV., meine Geschichte der
Quellen u. s. w. Bd. 1 §. 607.