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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 72. Band, (Jahrgang 1872)

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Maassen.

cassino  auf  Veranlassung  des  Kaisers  erschienen.  Die  Versammlung- ­
  wurde  gehalten,  weil  Ludwig  es  wollte.  Offenbar
hätte  jede  Pression,  die  Hadrian  auf  die  versammelten  Bischöfe
auszuüben  schien,  jede  demonstrative  Betonung  seiner  Autorität
den  Kaiser  nur  verletzt.  Um  so  besser  für  ihn,  dass  er  dies
gar  nicht  nöthig  hatte;  denn  nun  kam  die  Versammlung  lediglich
ihm  zu  Statten.  Nun  kam  er  in  die  vortheilhafte  Lage  sich
auf  einen  freien  Beschluss  des  vom  Kaiser  selbst  angeordneten
Conventes  berufen  zu  können,  einen  Beschluss  des  Inhalts,
dass  höchstens  ein  allgemeines  Concil  die  Urtheilssprüche  des
apostolischen  Stuhles  umzustossen  befugt  sei.  Gab  ihm  das
dem  Kaiser  gegenüber  nicht  eine  ganz  unanfechtbare  Position?
Es  darf  uns  daher  nicht  überraschen,  wenn  Hadrian  nicht  von
vorneherein  die  Competenz  der  Versammlung  categorisch  zurückweist, ­
  wenn  er  in  der  Form  weniger  befiehlt,  als  vielmehr
zu  überzeugen  sucht.  Die  Argumente  des  Redners  sind  mehr
auf  den  Kaiser  und  die  Kaiserin,  vielleicht  auch  auf  Lothar,
berechnet  als  auf  die  Bischöfe.  Dass  es  der  Papst  ist,  der  zu
den  ,ihin  untergebenen'  Bischöfen  redet,  merkt  man  kaum.
Er  vertheidigt  die  Autorität  des  apostolischen  Stuhles.  Dass
er  zufällig  selbst  der  persönliche  Träger  dieser  Autorität  ist,
kommt  dabei  gar  nicht  in  Betracht.  Nicht  um  ihn  handle  es
sich  ja,  sondern  um  die  in  ihrem  Ansehen  gefährdete  höchste
Instanz,  deren  einmal  gefällte  Urtheile  jeder  zu  respectiren
verpflichtet  sei,  er  selbst  nicht  minder  als  ein  andrer!  Hadrian’s
Art  des  Auftretens  ist  daher  wohl  berechnet.
Nur  einmal  ist  es  ilun,  vielleicht  unabsichtlich,  begegnet,
dass  er  auf  sich  als  den  gegenwärtigen  Inhaber  der  päpstlichen
Würde  hinweist.  Er  ruft  den  Anwesenden  in’s  Gedächtniss,
dass  die  Königin  Thietberga  vor  längerer  Zeit  bei  ihm  gewesen ­
  sei,  und  braucht  hier  die  Worte:  ad  hanc  sedern  apostolicam
  veniens.  Diese  Stelle  dient,  wie  mir  scheint,  zugleich
dazu  den  letzten  Rest  eines  Zweifels  über  die  Autorschaft  zu
beseitigen.
Ich  komme  nunmehr  zu  dem  zweiten,  hier  zuerst  veröffentlichten ­
  Theil  der  Rede,  der  mir  eigentlich  die  Veranlassung ­
  zu  dieser  kleinen  Untersuchung  geboten  hat.
Der  Papst  hat  nämlich  diese  Gelegenheit  zu  einer  canonistischen
  Erörterung  zu  benutzen  für  passendj  gehalten,  die
            
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