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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 72. Band, (Jahrgang 1872)

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M  a  a  s  8  e  u.

sich  zu  unterwerfen.  Und  einige  Wochen  später  hat  er  alles
dies  vergessen  :  er  appellirt  an  eine  Versammlung  von  Bischöfen ­
  gegen  das  ungerechte  Urtheil. 1  Ein  Redner  bringt
einen  ganzen  Apparat  von  Gründen  um  die  Unzulässigkeit  der
Appellation  nachzuweisen.  Und  ein  so  schlagendes,  ein  so  unmittelbar ­
  einleuchtendes  Argument,  wie  das  ist,  dass  der
Appellant  noch  kurz  vorher  auf  jede  Appellation  feierlich  verzichtet ­
  habe,  sollte  er  unerwähnt  gelassen  haben  ?  Man  braucht
die  Frage  nur  zu  stellen  um  einzusehen,  wie  absurd  es  wäre
dies  für  möglich  zu  halten.
Ebensowenig  kann  aber  die  Rede  vor  dem  Tage  von
Montecassino  gehalten  sein;  denn  der  Kaiser  war,  wie  wir
gesehen  haben,  zur  Zeit  der  Rede  schon  um  seine  Unterstützung
angegangen.  Nun  aber  war  unmittelbar  vor  jener  Entrevue  die
Vermittelung  des  Kaisers  erwirkt.  Lothar  begab  sich  direct
vom  Kaiser  in  Begleitung  der  Kaiserin  zu  jenem  berühmten
Kloster  des  h.  Benedict.  Wir  haben  daher  nicht  die  kleinste
Spanne  einer  Zwischenzeit,  in  der  die  Rede  gehalten  sein  könnte.
Dass  also  die  Rede  am  1.  Juli  869  in  Montecassino  gehalten ­
  wurde,  ist  gewiss.  Wer  aber  hat  sie  gehalten?
Gleich  die  Eingangsworte  passen  nur  im  Munde  des
Papstes.  Er  dankt  Gott,  dass  die  Bischöfe  zu  der  gegenwärtigen ­
  Versammlung  erschienen  seien.  So  kann  nur  der  sprechen,
der  in  einer  Versammlung  den  Vorsitz  führt  oder  doch  die
Hauptperson  ist.  Darauf  nennt  er  sich  den  Geringsten  unter
allen. 2  Eine  Phrase  der  Höflichkeit,  die  kaum  ein  andrer
passend  gebrauchen  kann,  als  wer  die  Angeredeten  an  äusserer
Würde  überragt.  Er  fügt  hinzu,  dass  er  den  Beschlüssen  der
Versammlung  Folge  leisten  werde;  aber  nicht  ohne  den  ausdrücklichen ­
  Vorbehalt  zu  machen:  ,soweit  sie  den  göttlichen
Vorschriften  und  den  Anordnungen  der  Väter  gemäss  sein
werden/  Es  ist  nicht  eben  wahrscheinlich,  dass  einer  der
übrigen  italischen  Bischöfe  so  gesprochen  hat.  Die  Rede  ist
an  eine  Versammlung  gerichtet,  deren  Mitglied  der  Papst  ist.
Offenbar  ist  es  kein  Uebermass  von  Reverenz,  wenn  man
1  scelera,  quorum  ult,io  falso  injusta  dicitur.
2  Dieselbe  Phrase  findet  sich  später  noch  einmal:  Nos  vero  inutiles  et  omnium
  vestrum  minimi  considerationem  vestram  sequi  parati  sumus  etc.
            
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