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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 72. Band, (Jahrgang 1872)

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V  all  len

nügt  haben  würde,  wird  das  gleichbedeutende  xparcouaav  y.aAwc
hinzugesetzt,  um  daran  die  folgende  weitere  Ausführung  anzuknüpfen, ­
  die  noch  ein  neues,  im  bisherigen  noch  nicht  enthaltenes ­
  Argument  für  das  suSatjxoveiv  und  dessen  Bedingungen
enthält,  das  gleichmässig  für  den  Einzelnen  wie  für  die
staatliche  Gemeinschaft  Geltung  hat.  An  die  Behauptung
nämlich,  dass  der  beste  Staat  der  glückselige  und  in
gutem  Zustand  sich  befindende  sei,  schliesst  sich  die  Erläuterung: ­
  'in  gutem  Zustand  sich  befinden  1  aber  kann  nicht,  was
nicht  das  Gute  thut,  das  Gute  thun  aber  ist  für  Mensch  und
Staat  nicht  möglich  ohne  Tugend.  Tugend  aber  hat  beim
Staat  denselben  Sinn  wie  beim  Menschen.’  Wenn  das,  wie
ich  meine,  der  Gedankenfortschritt  ist,  so  weiss  ich  nicht,
warum  der  Satz  aSüvawv  3k  y.aXcSc  -paxxsiv  -olq  fr}]  ~ä  y.a/.a  Ttpäxtouaiv
  nicht  so,  wie  er  überliefert  ist,  stehen  soll.  Denn  der
verallgemeinernde  Plural,  des  Neutrums,  wie  ich  glaube,  ist  in
der  syllogistischcn  Formel  durchaus  am  Platz,  und  um  so  zweckmässiger, ­
  da  die  hier  latirende  Beziehung  auf  Mensch  und
Staat  der  folgende  Satz  (o : j-’  avSpb?  oikt  ttsAswc)  ausdrücklich
ausspricht,  und  äBuvatov  Sk  ist  in  dieser  fortschreitenden  Deduction
  angemessener  als  yap.
Ehe  wir  weiter  gehen,  ist  diese  Argumentation  auch  von
sachlicher  Seite  in’s  Auge  zu  fassen.  Bernays  findet  in  dem
Fortschritt  von  y.ahwc  -patteiv  zu  xä  y.aÄa  -pdvreiv  ein  'logisches
Wortspiel’,  dessen  Anwendung  wiederum  dem  früher  besprochenen ­
  logisch-dialektischen  Charakter  der  Dialoge  auf  Rechnung ­
  geschrieben  wird.  Auf  Anlass  des  auch  von  Bernays
S.  80  angeführten  Beispiels  einer  auf  die  Doppeldeutigkeit  von
■xprrrsiv  gebauten  Conclusion,  die  dem  Sokrates  selbst  im  Platonischen ­
  Gorgias  507  c  in  den  Mund  gelegt  wird,  erinnerte
Bonitz  (Zeitschr.  f.  öst.  Gymn.  1859  S.  800)  an  die  'bekannte
Thatsaclie,  dass  die  Eigenthiimlichkeit  der  Sprache,  welche
als  Organ  zum  Ausdrucke  der  Begriffe  angewendet  wird,  auf
die  Philosopheme  selbst  einen  wesentlichen  Einfluss  geübt  hat

1  Ich  übersetze  so  hier  und  im  Vorigen,  weil  ich  mir  des  Fortschritts  halber
nicht  anders  zu  helfen  weiss,  Bernays  'in  schönem  Zustand  sich  befinden’,
was  mir  noch  weniger  gefällt:  zxAfoc  -ox-töi  heisst  'er  befindet  sich  wohl,
es  geht  ihm  gut’,  nichts  weiter.
            
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