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Büdinger. Egyptisclio Einwirkungen auf hebräische Culte.
so muss man sagen, dass sie in einem keuschen Sinne vollzogen
worden ist, der beinahe an eine weibliche Hand erinnert.
Wie die Tellsage 1 in der ihr durch Tschudi gegebenen
Gestalt nicht nur eine heilige Erinnerung der schweizerischen
Eidgenossenschaft geworden ist, srfhdern unter anderen Elementen
auch unzweifelhaft echte Kämpfe der Waldstätte gegen
das Haus Habsburg im 13. Jahrhundert versinnlicht, so ist der
Josefmythus für die Geschichte der Hebräer bedeutend geworden.
Zwei ihrer alten Stämme, darunter der geistig und kriegerisch
bis zur Königszeit vielleicht bedeutendste, der von
Efraim, haben in Josef an einen gemeinsamen nähern Ahnherrn
geglaubt und mit dessen Gattin an eine halbegyptische Abstammung.
In der Geschichte des Volkes Israel aber bezeichnet
Josef für den grossen Zusammenhang der menschheitlichen
Entwickelung die Vermählung des hebräischen Geistes mit dem
egyptischen,2 wie die Ausbildung der Aeneassagen im Anschlüsse
an den troischen Mythenkreis eine verständliche Einfügung der
Römer in die Ueberzeugungen der Griechen enthält.
1 W. Vischer, die Sage von der Befreiung der Waldstätte (Leipzig 1867)
S. 12 flgde.
2 Es bedarf wohl keiner besonderen Ausführung, dass die Versuchung durch
die Frau des Obersten Potiphar und die Vermählung mit der Tochter des
Priesters Potiphar genau dasselbe: die liebevolle Einschmelzung der
Hebräer in egyptisches Wesen bezeichnen.