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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 72. Band, (Jahrgang 1872)

ägyptische  Einwirkungen  auf  hebräische  Culte.

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todte  Meer  nicht,  lim  im  Osten  von  Jericho  zuvor  eine  grosse
Trauerfeier  abzuhalten,  deren  Oertlichkeit  davon  den  Namen
behielt. 1  Nun  zeigt  freilich  der  letztere  Umstand,  dass  die
noch  Hieronymus  bekannt  gewesene  Localität  von  ,den  Kanaanitern', ­
  also  vor  dem  Einbrüche  der  Israeliten,  Abel  Mizraim
d.  h.  Egypterflur,  genannt  war,  eine  Bezeichnung,  welche
unsere  Quelle  mit  ,Ebol‘  Trauer  Egyptens  —  nämlich  um  den
notorisch  den  Egyptern  für  unrein  geltenden  Hebräerscheich  —
für  identisch  erklärt  und  welche  der  ganzen  widersinnigen
Leichenzuggeschichte  ihren  Anlass  gegeben  haben  dürfte.  Aber
ernster  Erwägung  werth  bleibt  doch  die  Thatsache,  dass  auch
in  diesem  dicht  bei  der  Stätte  des  Abschlusses  der  blutigen
Eidgenossenschaft  unter  Josua  gelegenen  Locale  ein  Anlass  gesucht ­
  wird,  um  die  Liebesdienste  Egyptens  gegen  die  Hebräer
in  freundliche  Erinnerung  zu  bringen.
Von  diesem  Gesichtspunkte  aus  gewinnt  denn  auch  erhöhtes ­
  Interesse,  was  von  den  intimen  Beziehungen  eines
Pharao  zu  einem  andern  Urvater  der  Israeliten,  zu  Abraham
gemeldet  wird.  Die  betreffende  Erzählung  2  ist  neuerlich  in  alle
Einzelheiten  untersucht  und  auf  bester  Kunde  egyptischer  Verhältnisse ­
  beruhend  gefunden  worden.  Für  uns  fällt  in  derselben
auf,  wie  sie  einerseits  die  Geschicke  der  Hebräer  vor  dem  Auszuge ­
  vordeutet  —  denn  Misswachs  treibt  Abram  hin  (12,  10),
Pharao  und  sein  Haus  werden  auch  hier  (12,  17)  erst  durch
grosse  Plagen 3  zur  Entlassung  Sarah’s  bewogen  und  Abram
zieht  (13,  2),  wie  später  sein  Volk,  ,sekr  schwer  an  Vieh,  Silber
und  Gold'  aus  1  —,  anderseits  aber  der  Trug  auf  hebräischer,
Tugend  und  Grossmutli  auf  egyptischer  Seite  liegen.
1  Genesis  50,  1—11,  von  Knobel,  die  Genesis  (18G2)  377  flgde.  aus  anderen
Gründen  als  jüngerer  Zusatz  erkannt.
2  Genesis  12,  10  bis  13,  2  mit  den  Erklärungen  von  Ebers  a.  a.  O.  I,  261
bis  272;  S.  262:  ,Diese  Erzählung  (von  der  Aufnahme  Sarah’s  in  den
Harem)  ist  echt  egyptisch. 1
3  In  der  Geschichte  Abimglechs  (Genesis  20),  welche  der  mit  dem  Pharao
das  Muster  gegeben  zu  haben  scheint,  wird  dieser  König  von  Gerar  einfach ­
  mit  dem  Tode  bedroht  (v.  3)  und  hebt  er  Gott  gegenüber  seine  Unschuld
hervor  (v.  5).
4  Damit  stimmt  der  prophetische  Erzähler  (Genesis  XV,  14)  trefflich  überein, ­
  indem  er  Jahve  den  Auszug  aus  dem  Lande  der  Knechtschaft  ,mit
grossem  Gut“  versprechen  lässt.
            
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