468
Büdinger.
nicht minder der gesteigerte Schwung bei den Eroberungen
des auch durch ein so wunderliches Mysterium zusammengehaltenen
Volkes.
7. Pietät gegen Egypten.
Wenn die Fortbildung egyptischer Art und Lehre und
ihre Verbindung mit wesentlich anderen Anschauungen schon
bisher als ein bedeutendes Moment unserer Untersuchung hervorgetreten
ist, so drängt sich an dieser Stelle die Frage auf,
in welchem Lichte denn nach der Meinung der Stifter hebräischer
Culte Egyptens Volk und Land zu betrachten sei und
wie beide demnach in den ältesten Stücken hebräischer Ueberlieferung
erscheinen.
Bedenkt man nun den schweren Druck, die harten Frohnden,
unter welchen die Hebräer nach ihren eigenen wie nach
egyptischen Aufzeichnungen litten, 1 ihre dringende Gefahr beim
Auszuge durch eine in der Bibel ebenfalls erzählte Verfolgung
des Pharao mit dem egyptischen Heere, so fallen andere Berichte
über das Zusammenleben beider Völker nur um so
mehr auf.
Noch im Momente der Auswanderung ,aus dem Hause
der Knechtschaft' 2 findet das Volk bei den Egyptern solche
,Gnade', 3 dass Männer wie Frauen von ihren egyptischen
Nachbaren ,silberne und goldene Gefässe', ja, nach anderer
Fassung, auch ,Kleider' erhalten. Wie peinlich empfunden
ward, dass ihnen in Egypten die Gemeinschaft des Mahles mit
den Eingeborenen versagt war, oder doch gewesen war, wie
sie mit der Beschneidung zugleich ,die Beschimpfung Egyptens'
von sich wälzten, haben wir gesehen.
1 Exodus, Cap. ], 2 und 5. Die egyptischen Nachrichten vollständig und
anmuthig bei Mathey, explorations modernes en Egypte (1869) 225 flgde.
2 Exodus 13, 3; Josua 24, 17.
3 elien, LXX: yaptv, Exodus 3, 21 und 12, 36 vgl. 11, 2 und 3. Die Stelle
Ex. 12, 36 besagt nach gewöhnlicher Auffassung, die Geschenke seien
nur geliehen gewesen (vajjaschilum, LXX: xai eyj37)<jav auro i;); folgerichtig
und unschuldig wird beigefügt: ,und sic entwandten es den Egyptern 1 .
Aber diese Glosse ist unnötliig, da eine correcte Uebersetzung nur gibt:
,und sie liessen sich bitten“.