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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 72. Band, (Jahrgang 1872)

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B  ii  d  i  n  g  e  r.

Personen  männlichen  Geschlechtes  und  jeden  Alters  lässt  sich
jedoch  damit  nicht  erklären.
Noch  näher  tritt  man  dem  Ereignisse  durch  Erinnerung  an
die  durch  blosse  mündliche  Verpflichtung  —  verbonun  obligatio
nach  römischem  Begriffe  —  geschehene  Abschliessung  des  Bundes
am  Sinai. 1  Die  Erneuerung  dieses  Bundes  unter  dem  neuen  Führer
und  unter  leichtem 2  Blutverluste  vollends  vor  dem  später  zu  erörternden ­
  Osterfeste  3  erinnert  an  eine  arabische  Sitte,  welche  den
Hebräern  auf  ihrem  Wüstenzuge  kaum  unbekannt  geblieben  sein
kann:  hei  Uebernahme  einer  gegenseitigen  Treueverpflichtung
schnitten  sich  dort  die  Gelobenden  unter  Anrufung  eines  Götterpaares ­
  mit  einem  scharfen  Steine  in  die  Hand.  1
Sollte  aber  das  Volk  wirklich,  wie  am  Sinai  versjtrochen
worden,  ein  ,Priesterkönigreich  und  ein  heiliges  Volk'
werden, 5  so  war,  um  einer  lastenden  ,Beschämung'  zu  entgehen,
die  allgemeine  Beschncidung  unerlässlich  zwar  nicht  nach
Moses’  Auffassung,  wie  wir  wissen,  aber  doch  nach  nothwendiger
  Ueberzeugung  Aller,  die  an  egyptische  Reinheitsbegriffe
und  Standesvorstellungen  über  das  Priesterthum 0  gewöhnt  waren.
Die  Operation  der  Knaben  schon  nach  einer  ersten  planetarischen ­
  Woche  des  Lebens,  acht  Tage  nach  der  Geburt,
bei  den  übrigen  Völkern  unerhört, 7  welche  dieser  Sitte  folgen,
1  Exodus  19,  7  und  8.  Die  von  Anderen  (vgl.  Winer,  Reahv.  u.  <J.  W.  Bund)
beigezogenen  Vergleichungen  von  Sallust.  Catil.  22  u.  s.  w.  illustriren
schwerlich  viel.
2  Wie  wesentlich  Blutverlust  nach  dem  Ritual  für  den  Äct  ist,  ersieht  man
aus  Buxtorf,  lexicon  ehaldaico-talmudicum  p.  1174.
3  Josua  5,  10.
4  X(0cp  oljet  -t'o  lau)  töv  veip<5v.  Herodot  III,  8.  In  G.  Rawlinson’s  ITebersetzung
  der  Stelle  (II,  335)  geben  zwei  Anmerkungen  authentische  Kunde
über  das  entsprechende  heutige  Verhältniss  bei  den  Arabern.  Auch  anderwärts, ­
  namentlich  bei  Abschliessung  eines  Bruderbundes  im  alten  Island,
nachweisliche  ähnliche  Sitten  darf  man  nicht  herbeiziehen,  um  sich  durch
die  Fata  Morgana  allgemeiner  Völkerkunde  nicht  irre  führen  zu  lassen.
5  maineleket  kohanim  veg-oj  kadosch.  Exodus  19,  6.
6  Vgl.  oben  S.  12,  Anm.  1  und  2.
7  Der  früheste  Termin  in  Persien  und  Arabien  ist  heute,  und  war  wohl
auch  in  Egypten,  das  fünfte  Lebensjahr,  der  späteste  ist  die  Zeit  der
beginnenden  Pubertät.  Chardin  bei  Chabas  a.  a.  O.  299.  Der  Verfasser
von  Genesis  17,  25  nimmt  bei  den  Arabern  das  vollendete  13.  Jahr  an,
als  in  welchem  Ismael  beschnitten  ward.
            
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