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B ii d i n g e r.
Personen männlichen Geschlechtes und jeden Alters lässt sich
jedoch damit nicht erklären.
Noch näher tritt man dem Ereignisse durch Erinnerung an
die durch blosse mündliche Verpflichtung — verbonun obligatio
nach römischem Begriffe — geschehene Abschliessung des Bundes
am Sinai. 1 Die Erneuerung dieses Bundes unter dem neuen Führer
und unter leichtem 2 Blutverluste vollends vor dem später zu erörternden
Osterfeste 3 erinnert an eine arabische Sitte, welche den
Hebräern auf ihrem Wüstenzuge kaum unbekannt geblieben sein
kann: hei Uebernahme einer gegenseitigen Treueverpflichtung
schnitten sich dort die Gelobenden unter Anrufung eines Götterpaares
mit einem scharfen Steine in die Hand. 1
Sollte aber das Volk wirklich, wie am Sinai versjtrochen
worden, ein ,Priesterkönigreich und ein heiliges Volk'
werden, 5 so war, um einer lastenden ,Beschämung' zu entgehen,
die allgemeine Beschncidung unerlässlich zwar nicht nach
Moses’ Auffassung, wie wir wissen, aber doch nach nothwendiger
Ueberzeugung Aller, die an egyptische Reinheitsbegriffe
und Standesvorstellungen über das Priesterthum 0 gewöhnt waren.
Die Operation der Knaben schon nach einer ersten planetarischen
Woche des Lebens, acht Tage nach der Geburt,
bei den übrigen Völkern unerhört, 7 welche dieser Sitte folgen,
1 Exodus 19, 7 und 8. Die von Anderen (vgl. Winer, Reahv. u. <J. W. Bund)
beigezogenen Vergleichungen von Sallust. Catil. 22 u. s. w. illustriren
schwerlich viel.
2 Wie wesentlich Blutverlust nach dem Ritual für den Äct ist, ersieht man
aus Buxtorf, lexicon ehaldaico-talmudicum p. 1174.
3 Josua 5, 10.
4 X(0cp oljet -t'o lau) töv veip<5v. Herodot III, 8. In G. Rawlinson’s ITebersetzung
der Stelle (II, 335) geben zwei Anmerkungen authentische Kunde
über das entsprechende heutige Verhältniss bei den Arabern. Auch anderwärts,
namentlich bei Abschliessung eines Bruderbundes im alten Island,
nachweisliche ähnliche Sitten darf man nicht herbeiziehen, um sich durch
die Fata Morgana allgemeiner Völkerkunde nicht irre führen zu lassen.
5 maineleket kohanim veg-oj kadosch. Exodus 19, 6.
6 Vgl. oben S. 12, Anm. 1 und 2.
7 Der früheste Termin in Persien und Arabien ist heute, und war wohl
auch in Egypten, das fünfte Lebensjahr, der späteste ist die Zeit der
beginnenden Pubertät. Chardin bei Chabas a. a. O. 299. Der Verfasser
von Genesis 17, 25 nimmt bei den Arabern das vollendete 13. Jahr an,
als in welchem Ismael beschnitten ward.