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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 72. Band, (Jahrgang 1872)

Egyptisclie  Einwirkungen  auf  hebräische  Culto.

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einen  grossen  Eindruck  gemacht  habe,  wird  man  nicht  annehmen ­
  können,  da  ausdrücklich  bezeugt  ist, 1  dass  die  Beschneidung ­
  nicht  geübt  ward,  so  lange  er  an  der  Spitze  des
Volkes  während  des  Wüstenzuges  stand.  Aber  seiner  Umgebung ­
  muss  die  mysteriöse  Heilung  durch  den  Act  der  beduinisclion
  Gattin  des  Führers  —  vollends  mit  den  dunklen  Freudenworten, ­
  welche  sie  nach  demselben  ausrief  und  der  befremdlichen
Geste,  mit  der  sie  diese  Worte  begleitete  —  als  ein  bedeutendes ­
  Ereigniss  erschienen  sein;  denn  der  auf  uns  gekommene
Bericht 2  mit  seiner  Erklärung  jener  Freudenworte  wäre  sonst
gegenstandslos  und  unmöglich  gewesen.
Unmittelbar  nach  Moses’  Tode  und  noch  vor  dem  Angriffe
auf  Jericho  liess  nun  Josua,  dem  jener  häusliche  Act-  als  einem
Vertrauten  des  Führers  nothwendig  bekannt  sein  musste,  die
Beschneidung  an  allen  Personen  männlichen  Geschlechtes  im
israelitischen  Volke  vornehmen.  Er  glaubte  hiemit  eine  That
vollbracht  zu  haben,  welche  den  betreffenden  Ort  selbst  heiligte: ­
  wenn  auch  nicht  Jahve  selbst,  wie  einst  seinem  Meister
am  Dornbusch,  so  gebot  ihm  doch,  seinem  eigenen  Bange  und
nennt  doch  auch  Philo  (II,  212)  als  letzten  und  wichtigsten  Grund  derselben: ­
  afaYza:o”aro'j  Tr)v  npo;  ~oXuyovlav  zaragxE'jTjv  -/..  t.  X.  Die  in  den
beduinisehen  Harem  gehörige  frohe  Aeusserung  der  Mutter  nach  geschehener ­
  Operation  wird  erst  in  diesem  Zusammenhänge  verständlich,
was  sie  trotz  der  Schlusserklärung  nicht  gewesen  ist.  Die  Wildheit  der
Aeusserung  an  sich  wird  übrigens,  wie  das  von  mir  gewählte  Attribut
jbeduiniseli 1  entschuldigen,  so  den  von  Moses’  Geschwistern  (Numeri  12,  1)
erhobenen  Vorwurf  erklären,  dass  Moses  eine  .Kuschitin 1  geehelicht  habe;
denn  Kusch  hat  egyptisch  fast  immer  das  Attribut  ,schlecht 1  oder  ,elend 1
(Ebers  I,  57).
1  ,Alles  Volk,  das  in  der  Wüste  geboren  war,  auf  dem  Wege,  da  sie  aus
Egypten  zogen,  das  war  nicht  beschnitten. 1  Josua  5,  5.  Dem  widerspricht
freilich  die  in  die  Frauenordnung  eingeschobene  Beschneidungsvorschrift
Levit.  12,  3;  aber  diese  Einschiebung  vermehrt  eben  nur  die  ohnehin
grosse  Zahl  von  Widersprüchen  dieses  Buches  mit  echter  Geschichte
(Schräder,  Einleitung  288);  immerhin  hat  sie  den  Anlass  zu  der  angeblich
in  eine  Rede  Jesu  gehörigen,  aber  mit  dem  ganzen  Zusammenhänge  ebenfalls ­
  ungesehichtlichen  Aeusserung  des  Joliannesevangelimns  (7,  22)  gegeben: ­
  jMfocI);  SeSwxev  upüv  xrjv  otoitocj.7)V.  Vgl.  Keim,  Leben  Jesu  (Zürich
1872)  III,  63.
2  Die  betreffende  Aufzeichnung  muss  zu  den  frühesten  der  Auszugsgeschichte
gehören.  Ueber  die  Zugehörigkeit  des  Bruchstückes  vgl.  Schräder.  (De
Wette’s  Einl.  1869)  S.  282,  Anm.  12.
            
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