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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 72. Band, (Jahrgang 1872)

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B  ü  d  i  n  g  e  r.

ältesten  Zeiten  her  üblich,  wie  Mumienuntersuchungen  und  Abbildungen ­
  beweisen,  1  gehörte  die  geschehene  Operation  zu  den
Reinheits-  oder  Anstandsbedingungen  derjenigen,  welche  hei
Hofe  erscheinen  wollten.  Ihr  Mangel  wird  im  königlichen
Palaste  gleich  dem  Essen  gewisser  Fische  als  besonders  ,Verabscheutes* ­
  (bot),  als  ein  Zeichen  der  Unreinheit  im  eminenten
Sinne  betrachtet. 2  Unter  anderen,  moderner  Anschauung  nicht
eben  entsprechenden  Gründen  des  alten  Brauches  führt  ein  in
Egypten  lebender  Autor  der  beginnenden'römischen  Kaiserzeit
die  Absicht  an,  sich  durch  vollkommene  Leibesreinheit  mit  dem
«ägyptischen  Priesterstande  in  Uebereinstimmung  zu  setzen. 3  Es
wird  nämlich  auch  sonst 1  versichert,  dass  die  egyptischen
Priester  auf  die  Beschneidung  einen  besondern  Werth  legten.
Ohne  Einschränkung  glaubte  Herodot  (II,  36  und  104)  ihren
Ursprung  auf  Egypten  zurückführen  zu  müssen.
Doch  wird  in  der  Bibel  eine  andere  Ansicht  zur  Geltung
gebracht.  Ausserhalb  Egyptens,  ohne  Moses’  Zuthun,  wird  von
seinem  madianitisclien  Weibe  die  Operation  an  ihrem  Sohne
vollzogen,  und  zwar  keineswegs  der  Reinlichkeit  halber,  sondern ­
  in  einem  Momente  der  Lebensgefahr  ihres  Gatten  durch
schwere  Krankheit,  oder  nach  der  zeitgenössischen  Aufzeichnung: ­
  um  einer  Heimsuchung  Jahve’s  zu  begegnen,  der  ihn
tödten  wollte. 5  Dass  die  sonderbare  Kur  auf  Moses  selbst

1  Ebers,  Aegypten  und  die  Bücher  Mose’s  I,  283.  Chabas  a.  a.  O.  S.  299
erwähnt  ein  Bild  qui  nous  represente  tres  vraisemblablement  la  circoncision
  de  deux  fils  de  Ramses  II.
2  Brugsch,  Wörterbuch  I,  190  unter  äma  (unrein)  mit  den  Erklärungen  von
Ebers  I,  233.
3  Trjv  oi’  oAou  xou  aiopaxoi;  xaöapbxrjxa  rpbc  xo  äppöxxsiv  xaljei  iepwp.e'vr),  jrap’
o  xal  ^upiovrai  xa  awu.axa  TrpoauTXEpßaAAovxES  oi  ev  Alyu^xro  xcov  Upbmv.  Philo,
von  der  Beschneidung  II,  211  (Mangey).  Das  egyptische  Volk  erklärt  er
im  Eingänge  für  apraidxaxov  xai  cpiXoao^toxaxov.
4  oi  Upei?  OTixr)0£uouai  jcEpixopj'/.  Horapollon  I,  11,  p.  30.
5  ,Und  als  er  unterwegs  in  der  Herberge  (malon)  war,  begegnete  ihm  Jahve
und  suchte  ihn  zu  tödten.  Da  nahm  Zipora  einen  Stein  (Zor)  und  beschnitte
  ihrem  Sohne  die  Vorhaut  und  rührete  seine  Füsse  an  und  sprach:
„fürwahr!  (kt)  Du,bist  mir  ein  Blutbräutigam  (ehatan  damim)“.  Da  liess
er  von  ihm  ab.  Sie  sprach  aber  Blutbräutigam  um  der  Beschneidung
willen. 1  Exodus  4,  24—26.  Die  Ideenverbindung  dieses  hebräischen
ehatan  =  Bräutigam  mit  dem  arabischen  chatana  =  beschneiden
bemerkt  Hitzig  (Geschichte  Israels  I,  86)  für  die  Zeugungsthätigkeit;
            
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