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B ü d i n g e r.
ältesten Zeiten her üblich, wie Mumienuntersuchungen und Abbildungen
beweisen, 1 gehörte die geschehene Operation zu den
Reinheits- oder Anstandsbedingungen derjenigen, welche hei
Hofe erscheinen wollten. Ihr Mangel wird im königlichen
Palaste gleich dem Essen gewisser Fische als besonders ,Verabscheutes*
(bot), als ein Zeichen der Unreinheit im eminenten
Sinne betrachtet. 2 Unter anderen, moderner Anschauung nicht
eben entsprechenden Gründen des alten Brauches führt ein in
Egypten lebender Autor der beginnenden'römischen Kaiserzeit
die Absicht an, sich durch vollkommene Leibesreinheit mit dem
«ägyptischen Priesterstande in Uebereinstimmung zu setzen. 3 Es
wird nämlich auch sonst 1 versichert, dass die egyptischen
Priester auf die Beschneidung einen besondern Werth legten.
Ohne Einschränkung glaubte Herodot (II, 36 und 104) ihren
Ursprung auf Egypten zurückführen zu müssen.
Doch wird in der Bibel eine andere Ansicht zur Geltung
gebracht. Ausserhalb Egyptens, ohne Moses’ Zuthun, wird von
seinem madianitisclien Weibe die Operation an ihrem Sohne
vollzogen, und zwar keineswegs der Reinlichkeit halber, sondern
in einem Momente der Lebensgefahr ihres Gatten durch
schwere Krankheit, oder nach der zeitgenössischen Aufzeichnung:
um einer Heimsuchung Jahve’s zu begegnen, der ihn
tödten wollte. 5 Dass die sonderbare Kur auf Moses selbst
1 Ebers, Aegypten und die Bücher Mose’s I, 283. Chabas a. a. O. S. 299
erwähnt ein Bild qui nous represente tres vraisemblablement la circoncision
de deux fils de Ramses II.
2 Brugsch, Wörterbuch I, 190 unter äma (unrein) mit den Erklärungen von
Ebers I, 233.
3 Trjv oi’ oAou xou aiopaxoi; xaöapbxrjxa rpbc xo äppöxxsiv xaljei iepwp.e'vr), jrap’
o xal ^upiovrai xa awu.axa TrpoauTXEpßaAAovxES oi ev Alyu^xro xcov Upbmv. Philo,
von der Beschneidung II, 211 (Mangey). Das egyptische Volk erklärt er
im Eingänge für apraidxaxov xai cpiXoao^toxaxov.
4 oi Upei? OTixr)0£uouai jcEpixopj'/. Horapollon I, 11, p. 30.
5 ,Und als er unterwegs in der Herberge (malon) war, begegnete ihm Jahve
und suchte ihn zu tödten. Da nahm Zipora einen Stein (Zor) und beschnitte
ihrem Sohne die Vorhaut und rührete seine Füsse an und sprach:
„fürwahr! (kt) Du,bist mir ein Blutbräutigam (ehatan damim)“. Da liess
er von ihm ab. Sie sprach aber Blutbräutigam um der Beschneidung
willen. 1 Exodus 4, 24—26. Die Ideenverbindung dieses hebräischen
ehatan = Bräutigam mit dem arabischen chatana = beschneiden
bemerkt Hitzig (Geschichte Israels I, 86) für die Zeugungsthätigkeit;