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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 72. Band, (Jahrgang 1872)

Des  Beatns  Rhenanus  literarische  Thätigkeit.

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Vertraute,  der  ihn  so  genau  kannte,  der  sein  ganzes  Leben
mit  ihm  vereint  verlebte,  stets  in  demselben  Gedankenkreise
mit  ihm  sich  bewegend,  dieselben  Ziele  verfolgend.  —  Und
wirklich  lässt  die  Art,  wie  uns  in  dem  Schreiben  an  Hermann
von  Köln  von  dem  Leben  des  Erasmus  erzählt  wird,  Gutes
hoffen.  Sehen  wir  aber  nun,  wie  Rhenanus  unseren  diesmals
sehr  hochgespannten  Erwartungen  entspricht.
Schon  die  äussere  Gestalt  der  Biographie 1  enttäuscht  uns;
nicht  so  sehr  vor  der  gelehrten  Welt  preist  Rhenanus  den
Freund,  es  ist  kein  Epitaph  oder  Encomium,  zu  dem  ihn  sein
liebendes,  dankbares  Herz  veranlasst,  es  ist  keine  eingehende
Würdigung  seiner  Verdienste  um  die  Wissenschaft,  die  dargelegt ­
  wird  —  sondern  eben  nur  eine  epistola  dedicatoria  an
den  Kaiser.  Da  aber  gilt  es  nun  freilich,  salonmässig  zu  erscheinen, ­
  d.  h.  für  die  damalige  Zeit  —  einen  möglichst  classischen
  Panegyricus  mit  rhetorischem  Pathos  und  —  gewöhnlich ­
  wenigstens  —  mit  steifleinerner  Pedanterie  vorzutragen.
Das,  was  wir  erwarten,  die  Wärme  des  Gefühls,  bleibt  da  nur
zu  leicht  aus.  Und  in  der  That  hat  die  Dedication  an  den
Kaiser,-die  Tendenz,  diesem  den  Erasmus  nur  im  besten  Lichte
zu  zeigen,  an  dem  Kaiser  einen  Protector  zu  gewinnen,  der
ihn  gegen  seine  Feinde  mit  dem  Ajaxschilde  seiner  Autorität
schützen  möge,  auf  die  Haltung  der  Biographie  einen  wesentlich ­
  schädigenden  Einfluss  genommen.  Wie  häufig  erscheint
doch  statt  Erasmus  dem  Gelehrten  der  treue  Diener  des  kaiserliehen ­
  Herrn,  dessen  Werke  der  Letztere  beschützen  soll.
,Erasmus  wird'  —  so  erzählt  Rhenanus  einmal  —  ,in  allen
Städten  mit  hohen  Ehren  aufgenommen'  —  wir  begreifen  dies
sofort  völlig,  wozu  also  die  kümmerliche  Erklärung:  nam
notum  erat  non  paucis,  eum  tuae  Majestati  esse  a  eonsiliis!
Statt  einer  eingehenden  Darlegung  seiner  wissenschaftlichen
Bedeutung  erhalten  wir  eine  Aufzählung  all’  der  Ehren,  die
ihm  von  Päbsten,  Kaisern,  Königen,  Bischöfen,  Fürsten  und
Städten  zu  Theil  wurden.  Dazu  kommt  auch  noch  anderes
Störende.  Die  Biographie  hat  durch  das  Hineinziehen  panegyrischer ­
  Ergüsse  über  Karl  V.,  den  ,grössten  Regenten,  den
Bezwinger  von  Tunis,  den  Friedensbringer  für  Italien'  u.  s.  w.

Vor  den  Opuscula  Erasmi  1540.  13  Polioseiten  stark.
            
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