Des Beatns Rhenanus literarische Thätigkeit.
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Vertraute, der ihn so genau kannte, der sein ganzes Leben
mit ihm vereint verlebte, stets in demselben Gedankenkreise
mit ihm sich bewegend, dieselben Ziele verfolgend. — Und
wirklich lässt die Art, wie uns in dem Schreiben an Hermann
von Köln von dem Leben des Erasmus erzählt wird, Gutes
hoffen. Sehen wir aber nun, wie Rhenanus unseren diesmals
sehr hochgespannten Erwartungen entspricht.
Schon die äussere Gestalt der Biographie 1 enttäuscht uns;
nicht so sehr vor der gelehrten Welt preist Rhenanus den
Freund, es ist kein Epitaph oder Encomium, zu dem ihn sein
liebendes, dankbares Herz veranlasst, es ist keine eingehende
Würdigung seiner Verdienste um die Wissenschaft, die dargelegt
wird — sondern eben nur eine epistola dedicatoria an
den Kaiser. Da aber gilt es nun freilich, salonmässig zu erscheinen,
d. h. für die damalige Zeit — einen möglichst classischen
Panegyricus mit rhetorischem Pathos und — gewöhnlich
wenigstens — mit steifleinerner Pedanterie vorzutragen.
Das, was wir erwarten, die Wärme des Gefühls, bleibt da nur
zu leicht aus. Und in der That hat die Dedication an den
Kaiser,-die Tendenz, diesem den Erasmus nur im besten Lichte
zu zeigen, an dem Kaiser einen Protector zu gewinnen, der
ihn gegen seine Feinde mit dem Ajaxschilde seiner Autorität
schützen möge, auf die Haltung der Biographie einen wesentlich
schädigenden Einfluss genommen. Wie häufig erscheint
doch statt Erasmus dem Gelehrten der treue Diener des kaiserliehen
Herrn, dessen Werke der Letztere beschützen soll.
,Erasmus wird' — so erzählt Rhenanus einmal — ,in allen
Städten mit hohen Ehren aufgenommen' — wir begreifen dies
sofort völlig, wozu also die kümmerliche Erklärung: nam
notum erat non paucis, eum tuae Majestati esse a eonsiliis!
Statt einer eingehenden Darlegung seiner wissenschaftlichen
Bedeutung erhalten wir eine Aufzählung all’ der Ehren, die
ihm von Päbsten, Kaisern, Königen, Bischöfen, Fürsten und
Städten zu Theil wurden. Dazu kommt auch noch anderes
Störende. Die Biographie hat durch das Hineinziehen panegyrischer
Ergüsse über Karl V., den ,grössten Regenten, den
Bezwinger von Tunis, den Friedensbringer für Italien' u. s. w.
Vor den Opuscula Erasmi 1540. 13 Polioseiten stark.