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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 72. Band, (Jahrgang 1872)

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Horawitz.

Ludov.  Bigi  Pictorii  opusculorum  christianorum  metricorum
11.  III.,  von  Pontii  Paulini  carmen  jambicum  christianam  pietatem
  commendans,  von  Thomas  Morus  Epigram  mein,  von  Enae
platonici  dialogus  de  immortalitate  animorum  und  von  Xysti
philosophorum  enchiridion.  Zeugniss  von  seinen  archäologischen
und  rechtshistorischen  Studien  giebt  ausser  dem  bisher  Genannten ­
  auch  der  Briefwechsel  mit  Zasius  über  die  Comitien. 1
—  Gewiss  eine  reiche  und  vielseitige  Thätigkeit, 2  deren  Schlusspunkt ­
  —  wie  ihren  Anfangspunkt  —  eine  Biographie  bildet
—  die  Biographie  seines  theuersten  Freundes,  des  Erasmus.

Die  Erasmus-Biographie.
Sie  erschien  vor  der  grossen  Sammlung  der  Werke  des
Erasmus,  die  durch  die  Editio  Frobeniana  1540  in  die  Oeffentlichkeit
  trat.  Mit  hochgespannter  Erwartung  nähern  wir  uns,
die  wir  Rhenanus  bisher  bei  so  verschiedener  Thätigkeit  als
einen  Mann  von  bedeutender  Geisteskraft  und  edler  sittlicher
Haltung  kennen  gelernt,  diesem  Werke,  dessen  Abfassung  so
schwierig  und  doch  so  leicht  war.  Denn  wohl  galt  es,  den
gelehrtesten  Manu  seiner  Zeit  zu  schildern,  einen  nicht  leicht
zu  verstehenden  und  schwer  zu  beurtheilenden  Charakter,  einen
Charakter,  dessen  geistiges  Bild  ,durch  der  Parteien  Gunst
und  Hass  entstellt*,  bei  seinem  Leben  schon  verzerrt  war,  einen
Mann,  der  auf  alle  Hauptrichtungen  des  vielseitigen  deutschen
Lebens  einen  beispiellosen  Einfluss  ausgewirkt!  Dies  war  und
ist  noch  immer  eine  schwere  Aufgabe  der  Biographik,  eine
Aufgabe,  die  einen  geübten  Psychologen,  einen  Kenner  der
Zeit  und  des  gesammten  wissenschaftlichen  Lebens  verlangt.
—  Und  doch  —  wie  ist  diese  Aufgabe  für  Rhenanus  auch
so  leicht!  Der  Freund  hat  ja  vom  Freunde  zu  reden,  wer
kann  uns  den  Mann  genauer,  lebensvoller  beschreiben,  als  der

1  Epistolae  U.  Zasii  ed.  Riegger  a.  a.  1516  Ep.  Zasius  4S5  a.  a.
1520  p.  393.
2  Die  kleine  Schrift  Beati  Rhenani  Relatio  ex  Pamasso  de  vino,  Wizenhusano,
  London  1755  (in  der  Casseler  Bibliothek),  rührt  nicht  von
unserem  Autor  her,  sondern  ist,  wie  ein  flüchtiger  Blick  in  dieselbe  zeigt,
ein  gelehrter  Witz  späterer  Zeiten.
            
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