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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 72. Band, (Jahrgang 1872)

I)es  Beatus  Rhenanus  literarische  Tliätigkeit.

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dabei  die  Auslassungen  gegen  die  Wiedertäufer,  die  wieder
den  streng'kirchlichen  und  antirevolutionären  Sinn  des  Mannes
erweisen.  Er  dankt  nämlich  der  Thätigkeit  Hermann’s  von
Köln  bei  der  Belagerung  von  Münster,  durch  welche  diese
Stadt  von  der  Secte  befreit  ward,  welche  sie  erfüllte,,  einer
Secte,  die  das  ,Unsinnigste,  Verpestetste  und  Verderblichste  auf
Erden  gewesen',  eine  Secte,  die  er  mit  der  lernäischen  Hydra
vergleicht. 1  Nach  dieser  Invective  kommt  Rhenanus  auf
den  Lebensgang  des  Erasmus  zu  sprechen.  Freilich,  eine  eingehende, ­
  ausführliche  Biographie  darf  man  in  dieser  Darstellung ­
  nicht  suchen,  sie  enthält  nichts  als  Notizen  über  die  letzten
Tage  und  Leiden,  über  die  gelehrten  Verbindungen,  Mäcenaten
und  Freunde,  sowie  über  das  Testament  des  Erasmus,  dessen
Tugenden  panegyrisch  beleuchtet  werden.  Aber  wenn  auch
Alles  ohne  Ordnung  durcheinandergeworfen  und  von  chronologischer ­
  Bestimmung  kaum  eine  Spur  zu  finden  ist,  so  durchdringt ­
  doch  eine  lebendige  Wärme  die  kurze  Schilderung,  der
Verlust  des  grossen  Freundes  war  noch  neu,  die  Wunde  noch
fühlbar;  war  ja  Erasmus  erst  kürzlich  dahingeschieden.  (Am
12.  Juli  1536,  diese  Notizen  sind  aber  am  19.  September  desselben ­
  Jahres  geschrieben.)  —  Der  bibliographischen  Genauigkeit ­
  halber  sei  bemerkt,  dass  ein  Theil  dieser  Dedicationsepistel
unter  dem  Titel  DES.  ERAS  -  ROTERODAMI  VIRI  INCOM-PARABILLS
  VITA  mit  Epitaphien  zusammen  separat  zu  Antwerpen ­
  (apud  Joannem  Stalsium.  Ann.  1536  mense  octob.  In
scuto  Burgundiae)  erschien. 2  —  Um  1539  erschien  die  vierte,
nach  dem  Görzer  Codex  emendirte  Ausgabe  des  Tertullian.
Von  den  kleineren,  mir  unzugänglichen  Schriften  des  Rhenanus
nenne  ich  die  um  1602  erschienene  Illyrici  descriptio,  de  Argentariae
  Antiquitatibus,  Epistola  de  missarum  uarietate,  Versio
latina  duorum  Epistolarum  Gregorii  Nazianzeni  ad  Themistium,
Präfatio  in  Baptisti  Guarini  1.  de  ordine  docendi  et  discendi,
Präfatio  in  Marsilii  Patauini  defensor  pacis,  Versio  sermonis
Basilii  M.  de  differentia  usiae  et  hypostasis,  ferners  die  Ausgaben ­
  von  Marcelli  Virgilii  oratio  de  militiae  laudibus,  von

1  U.  A.  schreibt  er  auch:  Intererat  autem  totius  Germaniae,  imo  orbis
Christiani,  hanc  excetram  esse  deletara.
2  Auf  der  Wiener  Hofbibliothek  mit  der  Signatur  *38.  Y.  144.
24*
            
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