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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 72. Band, (Jahrgang 1872)

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Horawitz.

merktmgen  und  einem  kurzen  Lebensabrisse  des  gefeierten
Freundes  zu  versehen.  Erschien  ja  doch  die  Edition  der
Werke  des  Origenes  kurz  nach  dem  Ableben  des  Erasmus;
Beatus  Rhenanus  erfüllte  nur  einen  der  Wünsche  dos  Dahingeschiedenen, ­
  wenn  er  die  Ausgabe  mit  einem  Widmungsschreiben ­
  an  Hermann  von  Wied,  den  bekannten  Erzbischof
von  Köln,  versah. 1  Dieses  Schreiben  zerfällt  in  zwei  Theile,
in  eine  Lobpreisung  des  Origenes  und  in  den  biographischen
Versuch  über  Erasmus.  In  dem  ersten  Theile  spricht  Rhenanus
von  dem  Lobe,  das  dem  Origenes  von  Hieronymus  und  Augustinus
gezollt  ward  und  preist  ihn  als  Einen,  der  alle  Nacharbeitenden
gefördert  und  gleichsam  das  Eis  gebrochen  habe.  Denn  wenn
man  den  Liuius,  Andronicus  und  Q.  Ennius,  als  den  ersten
Dichtern,  dem  Laelius  Lanuuinus  und  dem  Seruius  Clodius,
als  den  ersten  Grammatikern  bei  den  Lateinern  Preis  spende,
wie  sehr  müsse  man  erst  den  Origenes  loben,  den  Auffinder
nicht  der  profanen,  sondern  der  heiligen  Geschichte,  den  Wegweiser ­
  zum  richtigen  Verständnisse  der  Schrift.  Wie  es  bei
Allen  geht,  sei  auch  leider  dieser  Autor  von  Schäden  und
Verstümmelungen  nicht  frei; 2  was  Erasmus  an  Hieronymus,
Cyprian,  Hilarius,  Irenaus  und  Augustinus  geleistet,  habe  er
auch  an  Origenes  mit  dem  grössten  Floisse  und  bewunderungswürdiger ­
  Urtheilskraft  gethan  und  nichts  unterlassen,  was  zur
Aufhellung  dieses  ausgezeichneten  Interpreten  der  heiligen
Schrift  gehöre.  Das  Falsche  habe  er  vom  Echten  gesondert,
ein  Leben  des  Origenes  geschrieben  und  Bemerkungen  beigegeben. ­
  —  Rhenanus  geht  dann  auf  das  Lob  Hermanns  von
Wied  über,  dem  Erasmus  diese  seine  letzte  Arbeit  habe  widmen
wollen, 3  und  rühmt  dessen  Geschlecht.  —  Sehr  interessant  sind
1  Datärt:  Ex  Selato  ueteri  munimento  Eomanorum,  quod  aucto  uoeabulo
Germani  Selatistadium  dixere  et  per  collisionem  hodie  Sietstadium.
Decimo  oetauo  calend.  Septembreis.  Anno  a  partu  uirginis  matris
M.D.XXXVI.
2  ,Quis  porro  über  a  mendis  purus  hodie?  quis  autor  ab  impostoribus  non
contaminatus  ?‘
3  Bescheiden  bemerkt  ßhenanns:  Nunc  habes  epistolam  infamem  ac  ieiunam
quam  ab  illo  quum  doctam,  tum  eloquentem  acceptiuus  eras  ut  imprimis
tua  mihi  eelsitudo  obsecranda  ueniat,  re  tarn  inepto  Scriptori  succenseat,
sed  balbutiem  meam  boni  consulat  ac  animum  hominis  toto  pectore  sese
dedentis  interim  aestimet.
            
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