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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 72. Band, (Jahrgang 1872)

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Hora  w  i  t  z.

historischen  Werke  benutzten  Quellen. 1  Beim  Dialoge  de
Oratoribus  zweifelt  Rhenanus  beinahe  an  der  Autorschaft  des
Tacitus  (S.  445  in  den  Castigationes),  bei  diesem  Dialoge  wie
bei  der  Vita  Julii  Agricolae  war  er  bei  den  Verbesserungen
einzig  und  allein  auf  sein  Talent  beschränkt,  denn  eine  alte
Handschrift  zur  Vergleichung  fehlte,  es  blieb  nichts  übrig,  als
die  Editio  uulgata  fleissig  durchzugehen  und,  wie  Rhenanus
sich  ausdrückt,  ,meoque  Marte  quaedam  errata  deprehendi.‘
Den  Schluss  der  Ausgabe  des  Rhenanus  bilden  von  S.  492
an  die  Annotationes  des  Andreas  Alciatus  und  ein  Index.  —
In  das  Jahr  1534  fällt  die  Einleitung  zum  Epitome  grammaticae
g-raecae  seines  Freundes  Michael  Hummelberger,  die  zu  Basel  erschien,
  von  der  ich  aber  leider  kein  Exemplar  auftreiben  konnte.

Die  Liuiusausgabe.
1535  dagegen  sehen  wir  in  der  Liuiusausgabe  eine  grössere
Frucht  der  philologischen  Studien  des  Rhenanus.  Das  Verdienst, ­
  ,die  Wunden  des  Liuius  theilweise  geheilt  zu  haben',
wie  Drakenborch 2  sagt,  theilte  Rhenanus  übrigens  mit
Sigismund  Gelenius.  Rhenanus  behandelte  nämlich  die  ersten
sechs  Bücher  mit  dem  zweiten  punischen  Kriege,  dem  Gelenius
wies  er  die  vier  letzten  Bücher  der  ersten  Decade  und  den
philippischen  und  antiochischen  Krieg  zu.  Rhenanus  arbeitete
schon  1519  mit  grossem  Eifer  daran.  Er  benützte  einen
Wormser  Codex,  dem  freilich  die  ersten  zwei  Ternionen  und
der  Schluss  fehlten,  der  aber  sonst  —  nach  dem  Urtheile  des
Gronouius 3  —  ein  sehr  guter  war,  und  ausserdem  noch  ein
Manuscript  aus  Speier,  verglich  mit  diesen  Codices  die  Aldina
und  die  Kölner  Ausgabe  des  Jacob  Sobius.  Bis  1529  arbeitete
Rlienanus  ohne  noch  etwas  herausgegeben  zu  haben,  er  nahm
eben  die  Sache  wie  immer  sehr  ernst  und  scheute  keine  Anstrengung, ­
  um  die  Lücken  auszufüllen,  ja  selbst  Reisen  unter-1
  Hie  und  da  macht  er  Bemerkungen  über  die  Gegenwart,  B.  über  den
bevorstehenden  Türkenkrieg  (S.  429)  oder  wenn  er  (42{t)  sagt:  Nos  auitae
ferociae  plusculum  retinemns.
2  Liuiusausgabe  t.  XV.  p.  IV.
Ep.  ad  Heinsium  in  Burrmann,  Syllog.  Epist.  t.  III.  p.  114.
            
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