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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 72. Band, (Jahrgang 1872)

Des  Beatus  Rlionanus  literarische  Tliätigkeit.

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drangen.  Immer  habe  er  ihn  für  sehr  würdig  einer  steten
Beschäftigung  mit  ihm  gehalten,  und  zwar  vornehmlich  darum,
da  er  nicht  wie  Liuius  und  Andere  eine  ewige  Kriegsgeschichte
geschrieben,  sondern  auch  sehr  nützliche  Dinge  eingestreut
habe,  die  sich  bei  Anderen  entweder  gar  nicht  oder  nur  zu
kurz  vorfinden.  Nach  dem  Urtheile  berühmter  Gelehrter  sei
Tacitus  dem  Liuius  nicht  nachzusetzen,  ja  sogar  vorzuziehen  —
freilich  nicht  seines  manirirten  Stiles  wegen, 1  sondern  wegen  der
Darlegung  ausserordentlicher  Begebenheiten.
Die  Auswahl  der  Beispiele  kennzeichnet  den  Rhenanus
als  Sohn  seiner  Zeit,  die  stets  nach  Klugheitsregeln  und  Beispielen ­
  der  Lebensweisheit  verlangt.  Das  —  meint  er  —  habe
uns  Tacitus  so  schön  und  lehrreich  beschrieben:  wie  Einer
der  unverdienten  Hinrichtung  tapfer  entgegengegangen,  wie
ein  Anderer  verläumderisch  Angeklagter  sich  vor  Gericht  benommen, ­
  wie  vorsichtig  man  mit  denen  verkehren  müsse,  die
durch  einen  Wink  allein  verderben  könnten  u.  s.  w.  —  Ausführlich ­
  rechtfertigt  er  sich  sodann,  warum  er  abweichend  von
Franciscus  Puteolanus  und  Philipp  Beroaldus  dem  Jüngeren 2
des  Tacitus  Werk  mit  dem  Titel  Annalium  libri  überschrieb.
Tacitus  selbst  habe  ja  jene  Bezeichnung  gewählt,  aber  auch
bei  Jornandes  findet  sie  sich.  Während  er  sich  noch  aus  anderen ­
  Gründen  veranlasst  fühlt,  diese  Bezeichnung  für  die
passendste  zu  halten,  stellt  er  die  Verstümmelung  des  taciteischen
Werkes  als  apodictisch  hin,  deutet  ihre  Ursachen  an  und  zollt
den  Mönchen  Dank,  die  doch  Einiges  bewahrten.  —  Viele  Bogen
hindurch  folgen  dann  unter  dem  Titel  Thesaurus  Locutionum
Constructionumque  et  vocum  Tacito  solennium  per  Beatum
Rhenanum  obiter  collectus,  adiunctis  plerumque  ex  T.  Liuio
testimoniis,  cuius  etiam  liaud  pauci  loci  hic  restituuntur.  Zu-1

  aa.  3.  nö  quod  liuius  floridum  ac  meditationein  et  curam  olens  dicendi
genus,  quäle  sub  Yespasiatiis  placuit  ae  indies  exin  degenerauit  in  affeetatam
  quandam  compositionem  exolescente  paulatim  sennonis  Latini
puritate,  Liuianae  dictioni  illi  naturaliter  amabiliterq;  fluenti  nam  id  seeulum
  purissimü  fuit  aequari  debeat  atit  praeferi.
2  Puteolanus  gebrauchte  den  Namen  Actionum  diurnatium  historiae  Augustae,
dann  aber  auch  den  Actorum  diurnalium,  Beroaldus  nannte  sie  Ab  excessu
diui  Augusti  historiarum  libri.  Das  Ofner  Manuscript,  das  Rheuanus
vorlag,  war  ein  ccv£7t(Ypaoov.
            
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