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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 72. Band, (Jahrgang 1872)

H  o  r  a  w  i  t  z.

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der  schönen  Künste  geworden  sei  und  Alles  thue,  was  zur
Verbreitung  derselben  führen  könne.  Italienische  Gelehrte
erfüllten  ja  seinen  Hof,  mit  denen  Bernhard  disputire.  Indem
Rhenanus  der  weiteren  Verdienste  Bischof  Bernhard’s  um
Ferdinand  und  die  Bekämpfung  der  Türken  gedenkt,  kann  er
es  nicht  unterlassen,  sich  der  Erfolge  in  Ungarn  zu  erfreuen
und  schreibt:  Tum  recepta  Pannonia  magnum  nobis  contra
Turcas  propugnaculum  rursus  acccdet.  —  Mit  grosser  Bescheidenheit ­
  dankt  er,  ,qui  nihil  in  literis  suin‘  für  das  kürzlich
zum  Geschenk  erhaltene  silberne  Bildniss  des  Bischofs,  für  das
er  als  papiernes  Gegengeschenk  die  vorliegende  Tacitusausgabe
übersendet.  Interessant,  was  er  über  ihre  Entstehung  sagt.
Als  er  nämlich  erfahren,  dass  man  eine  neue  Ausgabe  des
Tacitus  voi'bereite,  hielt  er  dafür  zu  untersuchen,  ob  es  der
Mühe  werth  sei,  den  Text  der  Editio  uulgata  mit  dem  eines
Manuscriptes  zu  vergleichen,  das  ihm  kürzlich  zugekommen
war.  Dieses  Manuscript  stammte  aus  der  Ofner  Bibliothek
des  Matthias  Coruinus  und  kam  durch  Jakob  Spiegel  in  Ehenanus’ ­
  Hände.  Dieser,  der  sehr  bald  erkannte,  wie  viele
Stellen  jämmerlich  depravirt  seien,  machte  sich  mit  Genauigkeit ­
  an  die  Vergleichung  und  ruhte  nicht  eher,  als  bis  er  das
ganze  Werk  bis  zum  Schlüsse  sorgfältig  collatiouirt  hatte.  Bei
den  fünf  ersten  Büchern,  ,dic  zu  Corvey  aufgefunden  und
etwas  später  in  Rom  herausgegeben  wurden',  sowie  bei  der
Germania,  dem  ,Dialogus  Oratorunü  und  dem  Agricola.  fehlte
es  freilich  an  Handschriften,  hier  blieb  die  Vergleichung  auf
die  Editio  uulgata  beschränkt.  Was  er  am  Tacitus  geleistet,
wünscht  er  von  Anderen  für  Cicero,  Liuius,  Plinius  und  den
nicht  minder  verunstalteten  Florus  gothan,  denn  von  den  Gelehrten ­
  müsse  man  dies  erwarten.  Freilich  schreckt  die  Meisten
nicht  der  Mangel  an  Erfahrung,  sondern  die  Mühe,  welche  des
Ruhmes  entbehrt,  und  die  Tadelsucht  der  Ungelehrten,  die  entweder ­
  spotten  oder  schmähen.  Und  doch  giebt  es  keinen
anderen  Weg,  den  Schriften  der  Alten  auf  die  Beine  zu  helfen,
als  in  erster  Linie  aufmerksame  Vergleichung  der  Handschriften,
sodann  die  Conjectur  (judicium).  —  So  überdrüssig  er  auch
der  Arbeit  geworden  sei,  das  Bewusstsein  des  Nutzens,  den
sie  schaffen  müsse,  habe  ihn  doch  dabei  festgehalten.  Uebrigens
  ist  er  auch  völlig  von  der  Bedeutung  des  Tacitus  durch-
            
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