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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 72. Band, (Jahrgang 1872)

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Horawitz.

das  Ihrige  lassen.  (S.  79.)  Ja  er  räumt  sogar  ein  (78),  dass
es  eine  Zeit  gegeben,  in  der  die  Gallier  die  Germanen  an
Tapferkeit  übertroffen  und  Colonien  über  den  Rhein  geschickt
hätten.  Das  hätte  Wimpfeling  nie  zugegeben!
Diese  Erinnerung  an  Wimpfeling  mag  uns  zugleich  zeigen, ­
  wie  überlegen  Rhenanus  seinen  unmittelbaren  Vorgängern
auf  dem  Gebiete  der  Geschichtsschreibung  ist.  Gegenüber
dem  rhetorischen  Wesen  Bebels,  der  compilirenden  Tendenzgeschichte ­
  Wimpfeling,  dem  poetisirenden  Celtis  und  dem  sehr
verdächtigen  Trithemius  ist  er  der  Einzige,  der  den  Namen
des  Geschichtsforschers  verdient.  Denn  er  allein  hat  Methode,
Unparteilichkeit  und  macht  die  schwere,  aber  unerlässliche
Arbeit  der  Kritik  durch.  Einzelne  dieser  Vorzüge  theilen
auch  andere  Zeitgenossen  mit  ihm,  ich  nenne  nur  Peutinger
und  Irenicus,  doch  in  der  philologischen  Methode  ist  er  Allen
überlegen.  Freilich,  schon  lebten  die,  welche  ihn  an  Tiefe  des
Blickes,  an  populärer  Wirkung  weitaus  übertrafen  —  Sebastian
Frank  und  Johannes  Auentinus!  —  Aber  neben  dieser
Richtung  liess  sich  eine  denken  und  wünschen,  welche  die  Methode ­
  des  Rhenanus  bewahrt  und  ausgebildet  hätte.  Leider  kam
keine  solche  Richtung  zum  Durchbruche.  —  Rhenanus  hat  keine
Schule  gemacht;  als  ein  Einzelner,  der  das  Richtige  getroffen,
steht  er  da,  und  dieser  Umstand  ist  es  denn  auch,  der  seine
Bedeutung  für  die  Geschichte  der  Geschichtswissenschaft  —
trotz  seiner  grossen  Verdienste  —  herabgemindert  hat.

Die  Tacitusausgabe.
Von  dem  historischen  Studium  wendet  sich  Rhominus
wieder  seinem  eigentlichen  Gebiete  —  der  Editionsthätigkeit
zu.  Aus  dem  Jahre  1532  ist  mir  gar  nichts  Anderes  von
Rhenanus  bekannt,  als  die  Ausgabe  des  Moriae  Encomium  —
die  Edition  selbst  konnte  ich  leider  nicht  einsehen.  In  diese
Zeit  fällt  aber  die  Vorbereitung  eines  grossen  Werkes,  die
Vorbereitung  zur  Tacitusausgabe.
Sie  erschien  zu  Basel  bei  Froben  1533  unter  dem  Titel:
P.  CORNELII  TACITI  equitis  Romani  ANNALIUM  AB
EXCESSV  AVGVSTI  SIcut  ipse  uocat,  siue  Historiae  Augustae,
            
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