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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 72. Band, (Jahrgang 1872)

Des  Beatus  Rhenanus  literarische  Thätigkeit.

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Auffassung,  die  jeden  Ruhmesflitter  der  Fremden  sich  aneignen
möchte,  um  das  eigene,  reich  mit  superlativischen  Attributen
geschmückte  Volk  noch  mehr  aufzuputzen,  hat  Ehenanus  die
objective  Ruhe  des  Geschichtsforschers  mit  der  warmen  Liebe
zu  seinem  Vaterlande  1  trefflich  zu  verbinden  gewusst.  Er  ist
weit  entfernt,  von  jener  abgeschmackten  und  knabenhaften
Manier,  nur  die  Siege  des  eigenen  Volkes  aufzuzählen,  seine
Niederlagen  aber  ,zu  verschweigen,  um  sie  als  nie  besiegt
erscheinen  zu  lassen.  Sein  Patriotismus  ist  ein  würdevoller,
männlicher,  ganz  ehrlich  und  gerade  schildert  er  auch  die
Schlachten  und  Verluste,  die  sein  Volk  erlitt.  Kaiser  Julian,
sagt  er  u.  A.,  hat  mit  wenigen  Soldaten  unzählige  Alemannen
geschlagen.  (S.  149.)  Bei  der  Erzählung  von  der  grossen  Alemannenschlacht ­
  (44)  begnügt  er  sich,  seinen  Antheil  durch  ein
jiiostri'  zu  zeigen.  Er  freut  sich  nicht  wie  Irenicus  über  die
grossartigen  Zerstörungen,  die  mit  den  Siegen  der  Germanen
verbunden  waren,  ,denn  welcher  Gefühlvolle  würde  solche  Rasereien ­
  nicht  verabscheuen  ? (  (Präfatio  ad  Procopium.)  —  Das
ist  ein  grosser  Fortschritt.  Und  wirklich  imposant  nimmt  sich
bei  solcher  Unparteilichkeit  das  gehaltvolle  Wort  aus,  mit  dem
Rhenanus  die  überschwenglichen  Historiker  unter  seinen  Landsleuten ­
  trifft,  das  Wort:  Ich  kann  mich  nicht  genug  wundern
über  jene  ehrgeizigen  Lobhudler  unter  den  Deutschen,  welche
auch  die  Triumphe  der  sennonisehon  Gallier  den  Germanen
zuwenden  wollen  unter  dem  Vorwände,  dass  der  Name  der
Celten  ein  weiter  sei  und  weil  die  Cliorographen  der  sennonischen
  Sueven  gedenken.  Und  wie  stolz  und  selbstbewusst
klingen  dann  die  wenigen,  ernsten  Worte:  Deutschland  hat  der
Ehre  und  des  Kriegsruhms  genug,  wenn  wir  auch  den  Galliern
1  S.  8  beklagt  er  die  Zwietracht  der  Germanen  und  schreibt  sie  den  Verlockungen ­
  der  Körner  zu.  S.  39:  Isti  vero  Barbari  (Franci)  nobilissimum
in  Galliis  regnum  constituerunt,  quae  perpetua  Germanorum  laus
est  multisque  seculis  tenuerunt,  doncc  paulatim  obsorberentur.  At  inter
Gallos  ho  die,  ut  quisque  procerum  plus  Francici  sanguinis  a  majoribus
suis  habet  ita  regno  fit  propior.  Et  darat  adlmc,  durabitque  inclytum
Francorum  nomen.  Quem  enim  pudeat  a  tarn  strenua  geilte  duxisse
originem?  Certe  Romanis  minus  de  sui  iuitio  gloriari  licet.  Vgl.  S.  62
über  das  deutsche  Francien.  S.  72.  Licet  hic  videre  Germanos  semper
Germanorum  viribus  ex  Italia  depulsos.  Tantum  eaeteras  nationes  ingenio
praeualeant.
            
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