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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 72. Band, (Jahrgang 1872)

Des  Beatus  Rlienanns  literarische  Tliätigkeit.

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Schadhaftigkeit  der  von  ihm  benutzten  Handschriften,  wie  aus
seiner  Lieblingsneigung,  der  Wortableitung.  Doch  genug  von
seinen  Fehlern,  Verstössen  und  Schwächen;  freuen  wir  uns
lieber,  dass  Rhenanus  in  so  vielen  Beziehungen  Treffliches
geleistet.  Auch  darüber  wollen  wir  nicht  klagen,  dass  er  sein
Werk  lateinisch  geschrieben,  war  es  doch  ja  seiner  ganzen  Anlage ­
  nach  nicht  für  das  Volk,  sondern  für  Gelehrte  bestimmt.
Sein  Latein  ist  übrigens  fliessend  und  strebt  nach  Eleganz,  1
öfter  wendet  er  die  Phrasen  des  Tacitus  an;  seine  Darstellung
ist  lebhaft  anregend  und  spannend.  Was  uns  aber  diese  Darstellung ­
  so  angenehm  macht,  ist  vornehmlich  die  eigenthiimliche
Frische  und  die  fröhliche  Forscherlust,  die  bei  den  trockensten
Untersuchungen  zu  Tage  tritt.  Rhenanus  plaudert  nicht  so
gemüthlich  wie  Wimpfeling,  er  will  nicht  doctrinär  sprechen
wie  Andere,  er  will  nicht  blos  Material  Zusammentragen  wie
Nauclerus,  oder  uns  durch  seine  Eloquenz  fortreissen  und  überrumpeln ­
  wie  Bebelius;  was  seinen  eigenthümlichen  Reiz  ausübt, ­
  das  ist  die  Ueberzeugung,  die  der  Leser  gewinnt,  dass  es
diesem  Historiker  mit  der  Wahrheit  Ernst  sei,  dass  er  keinen
tendenziösen  Journalisten,  keinen  gewandten  Federhelden  einer
Partei,  keinen  Dichter  und  Fabelhans,  keinen  Fälscher  oder
Pedanten,  sondern  einen  echten  Priester  der  Wissenschaft  vor
sich  hat.  Und  dann,  welchen  liebenswürdigen  Zw'ang  übt  er
doch  auf  seine  Leser  aus!  Das  ist  keine  gewöhnliche  Lectiirc,
das  ist  ein  Dialog,  den  der  Verfasser  mit  dem  Leser  beginnt.
,Glaub’  es  mir,  Leser!'  ruft  es  uns  da  aus  den  ernsten  Zeilen
des  Buches  zu,  ,diese  Stelle  des  Cäsar  ist  nicht  frei  von  Fehlern ­
  !•'  Oder  er  macht  uns  aufmerksam,  dass  er  jetzt  eine  Conjectur
  machen  werde.  Gut!  ich  schreibe  jetzt  statt  Remotes
Venetes.  Gute  Götter!  ruft  er  da  wieder  aus,  oder:  Sieh’,  wie
sich  die  Sache  verhält,  sieh’,  wie  scharf  Cäsar  hier  wieder
unterscheidet.  Diese  Lebendigkeit  der  Darstellung  lässt  uns
ahnen,  dass  dem  Rhenanus  Schilderungen  vorzüglich  gelingen
müssten.  Und  in  der  That,  das  Wenige,  in  dem  sich  das

1  cf.  S.  13  quam  elegantiores  superiorem  uocant,  er  achtet  auf  die
feinere  Form,  die  Anwendung  der  damals  bei  den  homines  bilingues  so
sehr  beliebten  griechischen  Ausdrücke  ist  bei  ihm  nicht  häufig.  S.  139
z.  B.  me  non  habebunt  ojao  A/jcpov;  Tacitus  gebraucht  er  oft  z.  B.  172.
            
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