Des Beatus Rlienanns literarische Tliätigkeit.
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Schadhaftigkeit der von ihm benutzten Handschriften, wie aus
seiner Lieblingsneigung, der Wortableitung. Doch genug von
seinen Fehlern, Verstössen und Schwächen; freuen wir uns
lieber, dass Rhenanus in so vielen Beziehungen Treffliches
geleistet. Auch darüber wollen wir nicht klagen, dass er sein
Werk lateinisch geschrieben, war es doch ja seiner ganzen Anlage
nach nicht für das Volk, sondern für Gelehrte bestimmt.
Sein Latein ist übrigens fliessend und strebt nach Eleganz, 1
öfter wendet er die Phrasen des Tacitus an; seine Darstellung
ist lebhaft anregend und spannend. Was uns aber diese Darstellung
so angenehm macht, ist vornehmlich die eigenthiimliche
Frische und die fröhliche Forscherlust, die bei den trockensten
Untersuchungen zu Tage tritt. Rhenanus plaudert nicht so
gemüthlich wie Wimpfeling, er will nicht doctrinär sprechen
wie Andere, er will nicht blos Material Zusammentragen wie
Nauclerus, oder uns durch seine Eloquenz fortreissen und überrumpeln
wie Bebelius; was seinen eigenthümlichen Reiz ausübt,
das ist die Ueberzeugung, die der Leser gewinnt, dass es
diesem Historiker mit der Wahrheit Ernst sei, dass er keinen
tendenziösen Journalisten, keinen gewandten Federhelden einer
Partei, keinen Dichter und Fabelhans, keinen Fälscher oder
Pedanten, sondern einen echten Priester der Wissenschaft vor
sich hat. Und dann, welchen liebenswürdigen Zw'ang übt er
doch auf seine Leser aus! Das ist keine gewöhnliche Lectiirc,
das ist ein Dialog, den der Verfasser mit dem Leser beginnt.
,Glaub’ es mir, Leser!' ruft es uns da aus den ernsten Zeilen
des Buches zu, ,diese Stelle des Cäsar ist nicht frei von Fehlern
!•' Oder er macht uns aufmerksam, dass er jetzt eine Conjectur
machen werde. Gut! ich schreibe jetzt statt Remotes
Venetes. Gute Götter! ruft er da wieder aus, oder: Sieh’, wie
sich die Sache verhält, sieh’, wie scharf Cäsar hier wieder
unterscheidet. Diese Lebendigkeit der Darstellung lässt uns
ahnen, dass dem Rhenanus Schilderungen vorzüglich gelingen
müssten. Und in der That, das Wenige, in dem sich das
1 cf. S. 13 quam elegantiores superiorem uocant, er achtet auf die
feinere Form, die Anwendung der damals bei den homines bilingues so
sehr beliebten griechischen Ausdrücke ist bei ihm nicht häufig. S. 139
z. B. me non habebunt ojao A/jcpov; Tacitus gebraucht er oft z. B. 172.