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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 72. Band, (Jahrgang 1872)

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Horawitz.

saure/  u.  w.  s.  (S.  178)  Her.  Bei  den  meisten  Ableitungen
spannt  er  die  Worte  auf  ein  Prokustesbett,  und  zieht  gewöhnlich ­
  die  Sitte  des  gemeinen  Volkes  zur  Erklärung  heran,  fremde
Benennungen  sich  mundgerecht  zu  machen  und  durch  Quetschen
(torquere)  so  weit  zu  bringen,  dass  sie  doch  etwas  ihm  Verständliches ­
  zu  bedeuten  scheinen. 1  Damit  hat  er  —  freilich
unwissentlich  —  seine  eigene  Methode  charakterisirt.  So  reichlichen ­
  Stoff  Bhenanus  auch  gebracht,  so  klare  und  einschneidende
Kritik  er  geübt,  Menge  und  Art  des  vorhandenen  Quellenstoffes,
sowie  Methode  und  Stand  der  Forschung  in  jenen  Tagen  Hessen
—  wie  natürlich  —  auch  viele  Fehler  unterlaufen,  Mannigfaches
hat  ihm  schon  der  grosse  Forscher  über  elsässisches  Alterthum,
hat  ihm  Schöpflin  (in  der  Alsatia  illustrata)  nachgewiesen
und  getadelt.  Fredgar,  meint  er  z.  B.  (I.  34),  hätte  Bhenanus
benützen  sollen,  dann  hätte  er  wohl  eine  andere  Erklärung
von  Alsatia  abgegeben.  Auch  gegen  misslungene  Etymologien 2
(wie  Kaurici  =  Vrigavia  und  Tigurini  =  Urii)  wendet  er
sich  und  zwar  mit  der  Bemerkung  (S.  40),  man  müsse  sich
hüten,  Alles  aus  dem  Deutschen  herzuleiten,  was  aus  dem
Celtischen  allein  zu  erklären  sei,  und  tadelt  den  Rhenanus
(S.  94),  dass  er  alle  celtischen  Kamen  aus  dem  Germanischen
ableiten  wolle.  Er  weist  auch  nach  (S.  60  u.  61),  wie  Rhenanus ­
  durch  seine  Verbesserungsvorschläge  selbst  in  arge
Fehler  gerieth,  so  z.  B.  bei  Cäsar  I.  51,  wo  er  statt  Sedusios
Sebusios  lese,  er  zeigt,  wie  Rhenanus  aus  dem  fehlerhaften
Codex  des  Ammianus  Fehlerhaftes  in  den  richtigen  Text  des
Cäsar  bringt.  Uebrigens  theilt  Rhenanus  viele  der  gerügten
Fehler 3  mit  S.  Münster,  viele  aber  entspringen  nur  aus  der

1  Solet  enim  uulgus  incognitas  uoces  detorquere  in  aliquod  forte  significatum
qualibet  absurdum  (S.  120)  detorquet  autem  multa  uulgns  ceu  saepe
monuimus.  (168.)
2  Schöpflin  (I.  638)  sagt  selbst:  Beatus  Rhenanus  in  inquirendis  voeum
etymis  diligens,  sed  interdum  infelix.
3  S.  134  wirft  ihm  Schöpflin  noch  vor,  dass  er  I.  p.  18  Tribonos  nach
einem  corrupten  Ms.  des  Ptolomäus  gelesen,  tadelt  S.  204  eine  falsche
Conjectur.  244.  Intolerabilis  quoque  conjectnra  est  Beati  Rhenani  aliorumque,
  quibus  Stratburg  contractum  a  Storatburg  ab  Argentorato  deriuare
placuit,  quam  uiolentam  conjecturam  recte  pronuntiat  Guillimannus.  Vgl.
z.  B.  auch  noch  ibidem  233,  417,  642,  II.  366,  367,  383,  387  (nomen  Sebusiorum
  fictitium).
            
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