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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 72. Band, (Jahrgang 1872)

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tlorawitz.

Beweise  für  die  Gründlichkeit  und  den  Scharfsinn  des  Rhenanus ­
  beizubringen,  doch  mag-  es  bei  den  aufgeführten  bleiben,
nur  jene  treffende  Bemerkung  über  die  Bestimmung  des  Alters
der  Städte,  die  er  S.  150  macht,  mag  noch  folgen.  Man  solle,
meint  er  dort,  den  Städten,  bei  denen  sich  keine  römischen
Inschriften  und  Ueberreste  von  alten  Gebäuden  finden,  deshalb
doch  nicht  ihr  Alter  absprechen;  dergleichen  sei  ja  im  Laufe
der  Zeiten  völlig  untergegangen.  Damals  sei  auch  nicht  soviel
gebaut  worden.  Sonst  sähe  man  andere  Ruinen,  wenn  solche
Häuser  bestünden,  wie  sie  jetzt  der  Luxus  z.  B.  in  Basel,
Bern  und  Freiburg  erbaute.  Wer  hätte  auch  damals  sein  Geld
auf  Gebäude  verwenden  mögen,  da  stets  Einfälle  zu  befürchten
waren,  selbst  Chlodovech  habe  ja  damals  zu  Strassburg  nur
eine  hölzerne  Kirche  gebaut.  Doch  genug  davon,  betrachten
wir  einen  andern  Vorzug  des  Rhenanus,  den  er  ebenfalls  aus
der  philologischen  Schule  herübergebracht  —  nämlich  seine
Conjecturen  und  Textverbesserungen.  Freilich  nicht,
als  ob  er  überall  das  Richtige  getroffen,  im  Gegentheil,  er  hat
sehr  oft  über  das  Ziel  hinausgeschossen,  aber  der  Eifer,  die
Lebendigkeit  und  Rastlosigkeit,  mit  der  er  in  die  oft  grässlich
corrupten  Texte  Sinn  zu  bringen  bestrebt  ist,  wirkt  höchst  anregend ­
  und  verdient  alle  Anerkennung.  Die  Conjecturen  und
Emendationen  sind  ausserordentlich  zahlreich,  er  emendirt  die
Alten  und  die  mittelalterlichen  Chronisten,  den  Ammian  Marcellinus, ­
  das  Itinerar  des  Antonin,  Plinius  den  ältern,  Julius
.Cäsar,  Ptolemäus  und  Sidonius  Apollinaris  gerade  so,  wie  den
Agathias  und  den  Ursperger  Abt. 1  Und  seine  Abänderungen
und  Purgationes  zeugen  nicht  blos  von  philologischer  Tüchtigkeit, ­
  Kenntniss  der  Handschriften  und  überraschender  Geistesgewandtheit, ­
  sondern  auch  von  einer  scharfen  und  vorsichtigen

Asulanicus 1 ,  sagt  er,  ,steht  ßovidajrov  statt  ßoußtEp&v,  wofür  Guarinus  Bubiemum
  schreibt.  Vielleicht,  meint  aber  Ehenanus,  war  doch  ß&viVp.ov
zu  lesen.  Sed  fieri  potest,  ut  ipse  Strabo  Gennanicam  dictionem  sic
corruperit,  ut  sunt  in  peregrinis  etiam  in  Latinis  incuriosiores  Graeci  .  .  .
Er  fordert  auch  Andere  zur  Kritik  auf,  z.  B.  S.  129.  Monendum  id
duxi,  quod  certius  investigari  locus  queat.
1  Johannes  Sturm  giebt  in  der  zweiten  Auflage  der  Res  Germanicae  von
der  Dedication  des  Ehenanus  die  loci  ex  auctoribus  an,  a  Rhenano  uel
expositi  melius,  uel  a  mendis  repurgati,  atque  in  integrum  restituti.
            
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