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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 72. Band, (Jahrgang 1872)

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Horawitz.

geht  er  stets  dem  falschen  Berosus  und  dessen  Interpreten,
dem  Annius  an  den  Leib.  Der  Alleralbernste  aber,  sagt  er
u.  A.,  ist  Annius,  des  fabulosen  Berosus  fabuloserer  Ausleger,
denn  so  oft  jener  —  wie  das  Sprichwort  sagt  —  den  Bock
melkt,  hält  dieser  das  Sieb  unter.  Ich  leugne  es  trotzdem
nicht,  dass  der  Fälscher  des  Berosus  gelehrt  gewesen  sein
müsse,  denn  er  mischte  so,  dass  nicht  Jeder  gleich  die  Sache
merkt.  Jener  las  beim  Tacitus,  die  Germanen  sagen,  Hercules
sei  bei  ihnen  gewesen,  da  ihm  nun  zufällig  ein  Königsname
abgeht,  so  schreibt  er,  bei  den  Tuisconen  regiert  Hercules
Alemannus,  und  macht  diesen  zum  Sohn  des  Teuto.  In  köstlicher ­
  Weise  macht  er  dann  die  Ableitung  des  Wortes  Alemannen, ­
  wie  sie  Annius  mit  Hülfe  der  —  Talmudisten  herauspresst, ­
  lächerlich  und  fügt  seine  eigene  Erklärung  bei.  1  Auf’s
Genaueste  vergleicht  er,  wo  er  kann,  den  gedruckten  Text  mit
dem  Wortlaute  des  Manuscripts  und  lässt  sich  durch  Abänderungen ­
  eines  Halbwissers  (sciolus)  nicht  irremachen. 2  So  zahlreich ­
  aber  findet  er  die  fabelhaften  Völkerableitungen,  wie  sie  in
ihren  Annalen  vorliegen,  dass  er  keinem  Autor  mehr  Glauben
schenkt,  als  dem,  der  Zeugnisse  herbeibringt.  (S.  68.)  Er  tadelt
denn  auch  scharf  die  Vertrauensseligkeit  derer,  die  den  Griechen,
dem  Diodor,  Herodot,  Aristoteles  und  den  übrigen  Historikern
ohne  Weitei'es  folgen,  wenn  diese  den  Namen  der  Celten  für
Gallier  und  Germanen  gebrauchen.  Er  verwehrt  sich  dagegen,
die  senonischen  Gallier  für  Germanen  zu  halten  (79)  und  verweist ­
  auf  Tacitus,  der  dem  Irrthume  jener  (Germania  43)  hinlänglich ­
  entgegentritt,  die  da  glauben,  Gallier  und  Germanen

1  Annius  nugis  nugas  cumulans  Hebraicam  etymologiain,  si  diis  placet,
affert  ex  Talmutistarum  arcanis  literis  .  .  .  enim  alueum  significare  et
Mannum  esse  Rlienum.  proinde  dictos  Alemannos,  quod  ad  Rlienum  habitent.
  O  somnia!  Novum  est  Alemannorum  nomen  et  multo  recentius
quam  Gennanorum.  Rhenanus  glaubt,  die  Völker  selbst  hätten  sich  ihre
Namen  erfunden  und  zwar  so,  dass  sie  recht  furchtbar  klingen  und  giebt
dafür  Analogien  aus  seiner  Zeit,  z.  B.  den  Namen  der  schwarzen  Teufelsrotte. ­
  (41.)
2  Porro  Claudianus  Salii  nomine  Francum  intelligit,  quanquam  sciolus  quispiam
  ausus  est  pro  Salius  substituere  Sueuus  quemadmoduin  in  excusis
codicibus  legitur.  Sed  nos  manu  scripti  uoluminis  fidem  sequimur  non
hfc  tantum.  (S.  34.)
            
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