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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 72. Band, (Jahrgang 1872)

t)es  Beatus  Rhonanus  literarische  Thätigkeit.

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Zeugnisse  von  Gewährsmännern  beweisen  kann.  Denn  ich
werde  nicht  den  Hunibalden  und  ähnlichen  Schriftstellern  folgen,
deren  Träume  das  Eitelste  sind/  —  Und  er  kann  sich  über  die
Frechheit  Jener  nicht  genug  wundern,  die,  so  oft  von  dem  Ursprünge ­
  eines  Volkes  so  wenig  bekannt  ist,  sich  sogleich  zu
den  Fabeln  flüchten,  in  diesem  Stücke  die  Römer  und  andere
Völker  nachahmend.  Daher  kommt  es,  wenn  man  die
Franken  aus  Troja  herleitet  und  uns  über  ihre  oft  geänderten
Sitze  und  über  die  Errichtung  von  Sicambrien  den  reinen  Unsinn ­
  vordichtet.  Kein  Wunder  freilich,  wenn  die  Mönche  in
ungebildeten  Zeiten  solches  zu  erfinden  gewagt,  denn  zweifellos
gab  es  damals  ausser  ihnen  Niemand,  der  die  Wissenschaft
kannte.  Darüber  aber  wundert  sich  Rhenanus,  dass  jener
nicht  ungelehrte  Bischof  Gregor  von  Tours,  dass  Annoniüs
(Aimoin)  und  die  Uebrigen,  welche  fränkische  Geschichte  geschrieben, ­
  dieselben  Fabeln  hochhielten;  Leute,  die  doch  Alles
von  den  Galliern,  unter  denen  sie  lebten,  aus  der  Tradition
ihrer  Väter  hätten  erfahren  können.  Aber  dies  war  das  Unglück ­
  jener  Zeiten,  dass  sie  dunkel  die  Geschichte  überlieferten. ­
  Wer  den  Jornandes,  der  über  die  Gothen  schrieb,  den
Paulus  Diaconus  und  den  Luitprand  über  die  Langobarden
liest,  wh'd  darauf  schwören,  dass  sie  Fabeln  erzählen.  So
wenig  erklären  sie,  woher  ihre  Völker  stammen  und  welche
Wohnsitze  sie  einst  besessen  hätten.  Desto  mehr  müssen  wir
uns  Mühe  geben,  dass  wir  die  Wissbegiex-igen  hierin  unterstützen ­
  und  zugleich  zum  Erforschen  von  Anderem  anspomen.
—  Sehen  wir  ihn  hier  bei  einer  schai'fen  Kritik  der  mittelalterlichen
  Ueberlieferung,  so  lässt  er  es  auch  nicht  daran
fehlen,  die  Ursachen  der  fabelhaften  Erzählungen,  welche
neuere  Geschichtsschreiber  Vorbringen,  anzugeben.  Betrug
und  jenes  Mittelding  zwischen  Dichtung  und  Geschichte,  das
von  den  halbgelehrten  Poetastern  früherer  Zeit  in  Verse  gebracht ­
  ward,  tragen  hier  die  meiste  Schuld. 1  Besonders  scharf
1  S.  29.  33.  Haec  autem  Francornm  in  hos  tractus  demigratio  quibusdam
ineruditis  impostoribns  ansam  dedit,  ut  de  Sicambria  nescio  qna  constracta
ampullosas  nugas  comminiscerentur.  Nec  me  fugit  a  veternm  Sicambrornm
sedibus,  quibus  sattem  proximi  fuere  Franci,  ipsos  etiam  nomen  meruisse,
quod  iltis  non  inelegantei  reperio  tributum  a  semidoctis  illius  aeri  poetastris,
  qnorum  versieulos  historiographi  recentes  citant.
            
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