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Horawitz.
Ursperger zu begegnen, so sieht man bei näherer Vergleichung
stets, dass Rhenanus nur das Stoffliche entlehnt hat und dass
er auch hier sehr wählerisch zu Werke ging.
Eine besonders erfreuliche Eigenthümlichkeit des Rhenanus
ist die Angabe der Zeit, in welcher ein Quellenschriftsteller
gelebt hat, beim Namen desselben. Man möchte daraus die
Meinung gewinnen, dass er die Bedeutung dieser chronologischen
Bestimmung für die Glaubwürdigkeit des Berichterstatters hinlänglich
gewürdigt. Aber auch sonst ist das Ergebniss der
Prüfung, wie er sich zu den Quellen gestellt, ein günstiges zu
nennen. Fragen wir uns: Ist Rhenanus seines Stoffes Herr
geworden? so müssen wir antworten: Gewiss, er gehört nicht
zu jenen, die durch den Stoff, den sie unverdrossenen Fleisses
herbeischleppten, gehemmt, Lastträgern gleichen, die unter
ihrer schweren Bürde seufzen, nicht recht weiter kommen und
die Last doch nicht wegwerfen wollen. Er verfügt dagegen
mit grosser Geschicklichkeit, mit souverainer Gewalt über sein
Material, das für ihn stets nur Mittel zum Zwecke, das für ihn
stets Material' bleibt. Sein Werkzeug — die Kritik aber weiss
er trefflich zu gebrauchen, unter ihm wird das Rohmaterial
zur schönen Form und fügt sich zum stattlichen Bau. Oder,
um ohne Bild zu sprechen: Rhenanus kennt die Quellen, hat
sie gründlich studirt, prüft ihre Glaubwürdigkeit, traut keiner
blindlings und unterzieht alle der Kritik. Er ist ohne alle
Voreingenommenheit, 1 die Erforschung des Alterthums, das
Finden der Wahrheit ist sein Ziel, 2 er ist auch in seinen Beweisführungen
der bescheidene Mann, der er im Privatverkehre
war, er stellt seine Hypothesen nicht als Dogmata hin, ich
kann es nicht verhehlen, sagt er da wohl, dass ich hier meine
Conjectur äussern werde. (S. 144.) Er ist durchaus nicht vertrauensselig,
,ich glaube nicht allen Historikern', sagt er ausdrücklich
(S. 147) und zeigt dies an vielen Stellen durch die
That. Er vergleicht z. B. die Glaubwürdigkeit zweier
Schriftsteller und weiss ihre Widersprüche geschickt auszu-1
Nos hic ut in caeteris ingenue nostram opinionem aperuiraus in nullius
certe praeiuclicium. Liberum esto cuique sentire, quod libet 142.
2 Quandoquidem mag’is nobis animus est, antiquitatem excutere, quam
nova stilo persequi, dies ist überhaupt der Keim seines ganzen Wirkens.