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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 72. Band, (Jahrgang 1872)

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H  o  r  a  w  itz.

und  versuchte  es,  auch  von  ihrer  Eroberung  durch  die  Franken,
Alemannen,  Markomannen  u.  A.  zu  handeln.  Die  Völkerwanderung ­
  muss  er  deshalb  ziemlich  eingehend  in  den  Kreis
seiner  Betrachtungen  ziehen,  und  so  meint  er  —  wohl  mit
Recht  —  werde  sein  Werk  auch  für  gelehrte  Männer  nicht  ohne
Nutzen  sein,  da  diese  oft  genug  das  alte  und  neue  Germanien
verwechseln. 1  Was  grössere  Ivenntniss  in  diesen  Gegenständen
bedeute,  meint  Rhenanus,  hätte  die  —  in  seine  Knabenzeit  fallende ­
  —  Controverse  zwischen  Wimpfeling  und  Murner  erwiesen,
bei  gründlicherem  Verständnisse  wäre  der  Streit  gegenstandslos
geworden.  —  Den  Schluss  der  Vorrede  bildet  ein  verunglückter
Versuch,  die  Genealogie  der  Habsburger  zu  bestimmen,  der
Glückwunsch  an  Ferdinand  zur  Erlangung  der  Kaiserwürde
und  die  Bitte  an  den  Kaiser,  in  den  Zeiten  der  Müsse,  welche
die  Türkenkriege  übrig  lassen,  dieses  Werk  in  die  Hand  nehmen ­
  zu  wollen,  da  ja  die  Lectüre  dieses  Buches  über  viele
und  grosse  Veränderungen  im  Staatenleben  belehren  werde.
Betrachten  wir  nun  den  Gang  des  Werkes!
Im  ersten  Buche  bestimmt  er  den  Begriff  und  die  Ausdehnung ­
  1  von  Altgermanien  (c.  1),  giebt  dessen  Völkerschaften
an  —  auch  er  nennt  die  Germanen  indigenae  —  schildert  den
Zustand  Deutschlands  vor  und  nach  Julius  Caesar,  gedenkt  —
freilich  in  sein 1  gedrängter  Kürze  —  der  Kriege,  des  Handels
der  Germanen,  und  weist  als  Grund  ihrer  Zwietracht  die
Aufreizungen  der  Römer  nach.  Sodann  geht  er  auf  die
Provinzen  des  römischen  Staates  über,  kommt  auf  die  Donauländer ­
  (Rhetia  I  et  H.,  Noricum,  Panonnia  I  et  II.) 2  zu
sprechen,  lässt  eine  Aufzählung  aller  Provinzen  des  römischen ­
  Reiches,  so  lange  dasselbe  unversehrt  war,  folgen 3
und  geht  dann  sofort  auf  die  Völkerwanderung  über,  ,obwohl
1  Haec  propterea  dicere  cogor,  hoc  loco,  ne  quis  Germaniam  ueterem
in  prouineiis  somniet  aut  quaerat  etiam  antequam  proninciae  factae
sunt,  itl  quod  de  transdanubianis  et  Sequanis  uerissimum  est.  (20.  21.)
2  Dabei  sucht  er  die  Ausdehnung  der  Provinzen  durch  Angabe  der  ihnen
jetzt  entsprechenden  Länder  zu  versinnlichen,  z.  B.  bei  der  Provinz
Valeria  giebt  er  Croatien  als  entsprechend  an.  (!)  Savia  wird  richtig
bestimmt.
3  S.  19—20.  .Enumeratio  caeterarum  ubilibet  prouinciarum  integra  dum  re
Romana 1  mit  der  sonderbaren  Bemerkung:  ut  aliis  quoque  nationibus  gratum
  faciamus  puta  Gallis,  Brittanis,  Italis.
            
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