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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 72. Band, (Jahrgang 1872)

Des  Beatus  Rhenanus  literarische  Thätigkeit.

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grosse  Umfang  erklärt  sich  aus  den  weitläufigen  Noten  und
Oommentaren  Otto’s,  die  für  unseren  Zweck  nicht  in  Betracht
kommen.
Das  Werk  wird  mit  einer  im  März  1531  verfassten  Vorrede ­
  eröffnet,  in  der  Rhenanus  sein  Buch  dem  König  Ferdinand ­
  widmet.  Von  der  Erfahrung  ausgehend,  dass  jeder  in
ferne  Gegenden  Reisende  sich  einen  Führer  mitnimmt,  oder
sich  doch  hei  Unterrichteten  um  den  Weg  erkundigt,  meint
er,  auch  in  der  Geschichte,  in  der  es  doch  vornehmlich  auf
gute  Unterweisung  ankommt,  sei  ein  solcher  Führer  nöthig.
Denn  obwohl  man  mit  Namen  herumwerfe,  so  wisse  man  doch
fast  nie,  was  diese  Namen  bedeuten,  wird  ja  doch  selbst,Germania ­
 4  häufig  falsch  begrenzt.  Rhenanus  erwähnt  ferner,  wie
es  so  Viele  gäbe,  die  mit  ihren  Geschichtsstudien  grossen  Lärm
erheben,  aber  eigentlich  keinen  Stein  von  der  Stelle  bewegen.
Denn  wie  oft  werden  die  Namen  der  Germanen,  Alemanen,
Franken,  Sachsen,  Sueven  und  Helvetier,  die  Benennungen
Germania  superior  und  inferior  u.  A.  genannt;  wenn  aber
Jemand  fragt,  woher  und  wann  diese  Benennungen  entstanden
sind,  da  wird  man  wenige  finden,  welche  über  diese  Dinge
gründlich  sprechen  können.  Die  Ursache  dieses  Umstandes
sieht  Rhenanus  in  dem  Reichthum  an  alten  Schriftstellern  und
in  dem  Mangel  an  mittelalterlichen.  Dank  daher  Jenen,  die
mit  ungeheurer  Mühe  für  Verbreitung  der  richtigen  Kenntnisse
sorgen.  Mit  Schärfe  wendet  er  sich  sodann  gegen  die  engherzigen ­
  Buchstabenmenschen,  die  an  jedem  überlieferten  Worte
haften.  Es  giebt  vielleicht  noch  Viele,  die  jetzt  noch  die
alten  Zustände  sich  vorspiegeln,  die  an  J.  Cäsar  und  Ptolemäus
hartnäckig  festhalten.  Weil  es  aber  Leute  von  diesem  Schlage
gebe,  müsse  man  die  übrigen  Gelehrten  nicht  im  Stich  lassen,
damit  tüchtigeren  und  erleuchteteren  Talenten  Beistand  geleistet
werde.  Durch  diese  Erwägung  ward  Rhenanus  veranlasst,
kurz  nach  seiner  Rückkehr  aus  Augsburg,  den  Bitten  mehrerer
Freunde  —  zweifellos  war  Peutinger  dabei  —  Gehör  zu  geben,
und  sich  an  die  Abfassung  des  vorliegenden  Werkes  zu  machen.
So  schrieb  er  denn  über  die  römischen  Provinzen,  welche  die
Weltbezwinger  auf  dem  linken  Rheinufer  und  dem  rechten
Donauufer  Germanien  gegenüber  besassen,  über  ihren  Zustand
und  ihre  Verwaltung  unter  den  Nachfolgern  Constantin  des  G.
            
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