Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 72. Band, (Jahrgang 1872)

252

Pfizmaier.

dem  der  vorzügliche  Mann  sich  selbst  ins  Licht  stellt,  ist  er
gross.  1
Ein  heller  Spiegel  ist  anfänglich  trüb,  und  man  sieht
noch  nicht  Gestalt  und  Züge.  Wenn  man  ihn  streicht  mit  ursprünglichem ­
  Zinn,  ihn  schleift  mit  weissem  Filze,  so  können
Haupthaar  und  Augenbrauen,  die  winzigen  Haare  erforscht
werden.

Höchstweise  Menschen  sind  gleich  einem  Spiegel.  Er  begleitet ­
  nicht,  er  kommt  nicht  entgegen.  Er  entspricht,  aber  er
entgegnet  nicht.  Desswegen  sind  die  zehntausend  Dinge  unverletzt. ­
  Was  er  gewinnt,  das  verliert  er.

Wenn  man  einen  grossen  Spiegel  hoch  aufhängt,  sieht  man
im  Sitzen  die  vier  Nachbarschaften.

Niemand  spiegelt  sich  in  schäumendem  Regen.  Dass  man
sich  aber  spiegelt  in  stillstehendem  Wasser,  ist  desswegen,
weil  dieses  ruhig  ist.  Niemand  erspäht  die  Gestalt  in  einem
rohen  Spiegel.  Dass  man  aber  die  Gestalt  erspäht  in  einem
hellen  Spiegel,  ist  desswegen,  weil  dieser  sich  verändert  hat. 2
Jemand  fragte  Pao-pö-tse:  Gibt  es  ein  Mittel,  das  zukünftige ­
  Glück  und  Unglück  zu  erkennen?  —  Jener  antwortete ­
  :  Man  gebraucht  einen  Spiegel  von  neun  Zoll  Grösse  und
besieht  sich  darin.  Man  hat  etwas,  worauf  man  mit  den  Gedanken
verweilt.  Nach  sieben  Tagen  sieht  man  die  göttlichen  Unsterblichen ­
  und  weiss  die  Dinge  in  einem  Umfange  von  tausend
Weglängen.  Den  hellen  Spiegel  gebraucht  man  einmal  oder  zweimal. ­
  Man  nennt  ihn  die  Sonne  und  den  Mond.  Einige  gebrauchen ­
  ihn  viermal.  Man  nennt  ihn  dann  den  Spiegel  der  vier
Bemessungen.

1  Der  Frühling  und  Herbst  des  Geschlechtes  Liü.
2  Das  Buch  Hoai-nan-tse,
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.