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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 72. Band, (Jahrgang 1872)

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Hofier.

gesetzt  werde,  Referendare  beizugeben,  welche  über  die  Zweckmässigkeit ­
  der  Bitten  Bericht  erstatteten.  Eine  genaue  Untersuchung ­
  müsse  über  den  Wirkungskreis  der  verschiedenen
Behörden  gepflogen  worden,  namentlich  bei  denjenigen,  welche
durch  Geld  erlangt  werden  könnten.  Man  müsse  ebenso  genau
bei  Besetzung  von  Pfründen  die  Menschen  als  die  eigentümlichen ­
  Verhältnisse  der  Diöcesen  berücksichtigen;  fremde  nicht
einheimischen  vorziehen,  von  den  niedern  ein  Vorrücken  zu
den  höhefn  gestatten.  Ueberhaupt  sei  im  Allgemeinen  an  dem
Grundsätze  festzuhalten,  nur  ganz  taugliche  und  tüchtige  Personen ­
  zu  den  Aemtern  zuzulassen;  bereits  sei  es  durch  Zugeständnisse, ­
  Bewilligungen  oder  geradezu  durch  Concordate
mit  Fürsten  dahin  gekommen,  dass  der  grössere  Theil  geistlicher ­
  Rechte  und  Angelegenheiten  ausserhalb  der  Sphäre  des
römischen  Stuhles  liege,  so  dass  jene  nach  Willkür  darüber
verfügten  ;  deshalb  sei  es  notwendig,  so  viel  als  möglich  diese  Bewilligungen ­
  zu  beschränken  und  den  Missbrauch  zu  bessern.
Alle  Massregeln  in  dieser  Beziehung  müssten  aber  mit-grosser
Umsicht  und  Mässigung  geschehen,  da  leider  in  früheren  Zeiten
die  Plabsucht  und  Blindheit  der-  Päpste  so  unheilvoll  gewesen,
dass  sie  um  eines  augenblicklichen  Vortheiles  willen  sich  nicht
scheuten,  der  Kirche  einen  bleibenden  Schaden  zuzufügen.
Nicht  geringer  sei  aber  auch  der  Nachtheil,  welcher  durch
den  verschwenderischen  Gebrauch  von  Ablässen  entstanden  sei.
Alle  Indulgenzen,  welche  den  Minderbrüdern  gewährt  würden,
müssten  gänzlich  zurückgenommen  werden,  da  dadurch  die
ordentliche  Jurisdiction  der  Bischöfe  geradezu  und  von  Grund
aus  zerstört  werde.  Die  ungemessene  Vollmacht  der  Vergebung
erzeuge  masslose  Lust  zu  sündigen.  Das  bevorstehende  Jubiläum ­
  gewähre  den  besten  Anlass,  die  grossen  Beichtprivilegien
zurückzunehmen.  Der  Verfasser  rieth  ferner,  die  Fürsten  zu
jährlichen  Beiträgen  zur  so  nothwendigen  Vollendung  der  Sanct
Peterskirche  zu  vermögen;  dasselbe  sollten  ihrer  Seits  Papst
und  Cardinäle  thun.  Nicht  minder  legte  er  dein  Papste  die
Rückkehr  Böhmens  an  das  Plerz,  welche,  wie  er  sich  in  Wien
1515  überzeugt,  von  vielen  Böhmen  selbst  gewünscht  werde.
Da  der  jugendliche  König  von  Ungarn  durch  das  Testament
seines  Vaters  unter  päpstliche  Vormundschaft  gestellt  worden,
müsse  doppelte  Sorge  für  Ungarn  verwendet  werden,  das  durch
            
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