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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 72. Band, (Jahrgang 1872)

Wahl  und  Thronbesteigung  Adrian’a  Yl.

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Riitlien  und  begann  schon  am  5.  Sept.  die  9000  Gesuche  zu  erledigen, ­
  welche  seit  seiner  Wahl  auf  ihn  warteten.  1
Bereits  am  1.  September  hatte  die  eigentliche  Regierung
begonnen.  Wohin  aber  sollten  sich  die  Sorgen  des  Papstes
zuerst  wenden,  da  der  Kirchenstaat  ebenso  zerrüttet  war  als  die
Kirche,  die  Christenheit  ebenso  uneinig  als  von  äusseren  Feinden ­
  bedroht,  und  es  ebenso  an  Willen  wie  an  Macht,  an  Einsicht ­
  wie  an  Mitteln  fehlte,  den  zum  hohen  Berge  angewachsenen ­
  Uebelständen  abzuhelfen.  Zuerst  war  nothwendig  die
Verordnung,  ■welche  alle  Verfügungen  des  Cardinaiscollegiums
in  Betreff  von  Pfründen  seit  dem  Tage  seiner  Wahl  für  nichtigerklärte,
  zu  veröffentlichen  und  wäre  es  auch  nur,  um  ihr  jeden
Schein  zu  benehmen,  als  seie  sie  unkräftig,  da  er  sie  als  gewählter
  und  nicht  als  gekrönter  Papst  gegeben  hatte.  Die
Verfügung  war  ein  harter  Schlag  für  das  Cardinalscollegium,
die  Vorschrift  über  die  päpstliche  Kanzlei  war  ohne  ihr  Wissen
und  Zuthun  in  Spanien  von  dem  Papste  und  dessen  Vertrauten
ausgearbeitet  worden,  war  direct  gegen  die  Cardinäle  gerichtet
und  enthielt  so  das  grösste  Misstrauensvotum,  welches  der  neue
Papst  nur  immer  der  alten  Regierung  geben  konnte.
Das  Nächste,  was  dann  zu  geschehen  hatte,  war  die  Einrichtung ­
  des  päpstlichen  Hofstaates;  die  ganze  Pracht  und  Herrlichkeit ­
  Leo’s  fiel  hinweg.  Als  die  Palefreniers  dem  neuen
Papst  einen  Abgeordneten  schickten,  dieser  nun  frag,  wie  viel
ihrer  seien  und  hörte,  nahe  an  hundert,  machte  Adrian  das
Kreuz  und  meinte,  ihm  genügten  vier  hinlänglich;  da  es  sich
aber  zieme,  dass  er  mehrere  habe  als  die  Cardinäle,  wolle  er
zwölf  behalten.  Die  beiden  flammändischen  Kammerdiener,
welche  er  mitgebracht  hatte,  ruhige  und  schweigende  Männer,
bedienten  ihn.  Sie  waren  bald  Gegenstand  boshafter  Bemerkungen. ­
 2  Adrian  änderte  in  nichts  seine  frühere  Lebensart.
Als  die  Cardinäle  ihn  baten,  mehr  Dienerschaft  auzunehmen,
wies  er  auf  die  leeren  Cassen  hin,  die  ihm  P.  Leo  hinterlassen; ­
  zuerst  müsse  man  die  Kirche  von  den  Schulden  befreien. ­
  Klagte  man  später,  der  Papst  lebe  wie  in  klösterlicher
Einsamkeit,  so  war  gleich  anfangs  der  Unterschied  zu  früher

1  Brew.  n.  2506.
2  Vettori  nennt  sie  stupidi  e  marmorei.
            
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