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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 72. Band, (Jahrgang 1872)

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Hofier

des  Papstes  einzugehen  und  auf  ihr  unsinniges  Anrecht  Verzicht ­
  zu  leisten.
Nach  der  Darstellung  des  Caplan  Ortiz  hörte  Adrian  auch
die  übrigen  Reden  von  Botschaftern,  Corporationen  etc.  an  und
erwiederte  erst  dann,  er  empfehle  sich  ihrem  Gebete,  dass  die
Gnade  des  h.  Geistes  auf  ihm  ruhe  und  ihre  guten  Urtheile  über
ihn  nicht  zu  Schanden  würden.  Nichts  sei  mehr  zu  befürchten,
als  dass  die  Arbeit  einem  Schwachen,  die  Erhabenheit  einem
Niedrigen,  die  Würde  dem  zugekommen,  der  sie  nicht  verdiene.
Dennoch  verzage  er  nicht,  da  er  auf  denjenigen  vertraue,  der
in  ihm  alles  bewirke.  Die  göttliche  Gnade,  welche  ihn,  den
Unwürdigen,  zu  dieser  Würde  erhoben,  werde  ihn  auch  zum
tauglichen  Diener  machen,  einer  solchen  Last  sich  zu  unterziehen. ­

Der  Ceremonienmeister  Blasius  von  Cesena  hat  uns  mitgetheilt,
  dass,  als  der  Papst  schon  in  Ostia  war,  in  Rom  wegen
des  Streites  der  Cardinäle  noch  Alles  in  der  grössten  Verwirrung ­
  war;  daher  vielleicht  auch  die  schlechten  Anstalten  zum
Empfange  des  päpstlichen  Gefolges.  Der  Papst  habe  in  Sanct
Paul  einige  Bittschriften,  welche  ihm  vorgelegt  wurden,  unterzeichnet, ­
  besonders  die  „der  Conclavisten".  Als  aber  der  Bischof ­
  von  Poitiers  ein  Canonicat  von  Set.  Peter  für  sich  erbat,
verweigerte  es  ihm  Adrian.  In  grosser  Bestürzung  über  den
Ernst,  der  sich  jetzt  geltend  machte,  seien  sodann  die  Cardinäle ­
  gegen  Rom  geritten;  der  Papst  hatte  5000  vacante  Beneficien
  zu  vergeben.  Wie  Viele  sahen  sich  jetzt  in  ihren  Hoffnungen ­
  getäuscht.  Der  Zug  ordnete  sich  in  möglichst  glänzender
Weise;  voraus,  Platz  zu  machen,  die  Cavallerie,  dann  die  Fusssoldaten,
  sämmtliche  Beamte  der  römischen  Curie  in  rothen
Gewändern,  zuletzt  der  maggior  domo  mit  den  Haus-Prälaten,
der  Papst  bis  zum  Thore  von  San  Paolo  getragen.  Ein  herrlicher ­
  Triumphbogen  sollte  dort  von  den  Brüdern  Porzio  um
500  Scudi  errichtet  werden.  Der  Papst  weigerte  sich  in  seiner
Demuth,  wie  ein  Triumphator  einzuziehen,  konnte  aber  nur
hindern,  dass  dieser  Bogen  vollendet  wurde,  während  in  der
Stadt  selbst  Bogen  an  Bogen  errichtet  waren.  Dort  empfing
ihn  der  Magistrat  der  Stadt,  Adrian  küsste  das  Kreuz  und  bestieg ­
  dann  seinen  Zelter,  das  Sacrament  in  der  Hand.  Hinter
ihm  ritten  die  Cardinäle,  die  Botschafter,  der  Adel,  das  übrige
            
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