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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 72. Band, (Jahrgang 1872)

Wahl  und  Thronbesteigung  Adrian’s  VI.

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Thue  er  das,  so  werde  sein  Name  bei  Gott  und  den  Menschen
in  gleicher  Herrlichkeit  leuchten. 1
Es  ist  sehr  eigentümlich,  dass  von  der  in  ihren  Folgen
wahrhaft  unermesslichen  Bewegung  der  Geister  in  Deutschland  in
dieser  Bede  gar  keine  Erwähnung  geschah.  War  für  sie  der  Decan
des  Cardinalscollegiums  nicht  vorhanden?  Wenn  aber  irgend  etwas
den  ohnehin  so  ängstlichen  und  gewissenhaften  Papst  mit  dem  Gefühle ­
  erfüllen  musste,  dass  die  Pflichten  seiner  hohen  Würde
weit  über  das  Mass  seiner  Kräfte  hinausreichten,  so  war  es
der  Inhalt  dieser  Rede,  auf  welche  der  Papst  einfach  antworten ­
  konnte,  ob  denn  die  Cardinäle  glaubten,  dass  er  Wunder
wirken  könne?  Ohne  Wunder  aber,  und  zwar  ohne  das  grösste
von  allen,  die  Umwandlung  der  damals  lebenden  Persönlichkeiten, ­
  lasse  sich  die  ihm  gestellte  Aufgabe  nicht  erfüllen.
Kaum  konnte  übrigens  die  Fehlbarkeit  der  Päpste  und  wie
durch  sie  das  schwere  Uebel  der  Zeit  angerichtet  worden,
stärker  betont  werden.  Der  Papst  dankte  in  seiner  Ansprache
den  Cardinälen  für  die  erfolgte  Wahl,  setzte  sodann  auseinander, ­
  warum  er  nicht  früher  in  Rom  habe  eintreffen  können,
stellte  aber  sogleich  an  sie  das  positive  Verlangen,  sie  sollten
auf  das  Recht,  Banditen  und  anderen  Uebelthätern  in  ihren
Palästen  Unterkommen  zu  gewähren,  Verzicht  leisten  und  dulden, ­
  dass  der  Bargello  sich  in  ihre  Häuser  begebe,  die  Missethäter
  aufzugreifen.  Jeder  habe  die  Waffen  niederzulegen.  Der
Unfug  hatte  den  höchsten  Grad  erreicht.  Nicht  lange  vorher
war  ein  Herzog  von  Camerino,  welcher  von  Rom  nach  Genazzario
  ritt,  ermordet  worden.  Man  glaubte  vom  eigenen  Oheim
und  beschuldigte  deshalb  den  Cardinal  Cibo. 2  Am  15.  Juli
hatte  man  zwei  Mörder  aus  Neapel  —  der  eine  hiess  Paternoster, ­
  der  andere  Avemaria  •—  aber  erst  nachdem  sie  116  Mordthaten
  verübt,  hingerichtet.  Man  erwartete  einen  neuen  Ausbruch ­
  von  Fehden  zwischen  den  Colonna’s  und  Orsini’s.  Im
Walde  von  Baccano  hausten  Corsen  (der  Signor  Renzi,  welcher
die  Orsini  aufreizte)  und  mordeten  die  Vorüberziehenden.  Den
Cardinälen  blieb  nichts  anderes  übrig,  als  in  das  Verlangen

1  Hofier,  Analecten  zur  Geschichte  Deutschlands  und  Italiens,  p.  57—  62 ?
2  Yettori  p.  114.
            
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