Wahl und Thronbesteigung Adrian’s VI.
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Thue er das, so werde sein Name bei Gott und den Menschen
in gleicher Herrlichkeit leuchten. 1
Es ist sehr eigentümlich, dass von der in ihren Folgen
wahrhaft unermesslichen Bewegung der Geister in Deutschland in
dieser Bede gar keine Erwähnung geschah. War für sie der Decan
des Cardinalscollegiums nicht vorhanden? Wenn aber irgend etwas
den ohnehin so ängstlichen und gewissenhaften Papst mit dem Gefühle
erfüllen musste, dass die Pflichten seiner hohen Würde
weit über das Mass seiner Kräfte hinausreichten, so war es
der Inhalt dieser Rede, auf welche der Papst einfach antworten
konnte, ob denn die Cardinäle glaubten, dass er Wunder
wirken könne? Ohne Wunder aber, und zwar ohne das grösste
von allen, die Umwandlung der damals lebenden Persönlichkeiten,
lasse sich die ihm gestellte Aufgabe nicht erfüllen.
Kaum konnte übrigens die Fehlbarkeit der Päpste und wie
durch sie das schwere Uebel der Zeit angerichtet worden,
stärker betont werden. Der Papst dankte in seiner Ansprache
den Cardinälen für die erfolgte Wahl, setzte sodann auseinander,
warum er nicht früher in Rom habe eintreffen können,
stellte aber sogleich an sie das positive Verlangen, sie sollten
auf das Recht, Banditen und anderen Uebelthätern in ihren
Palästen Unterkommen zu gewähren, Verzicht leisten und dulden,
dass der Bargello sich in ihre Häuser begebe, die Missethäter
aufzugreifen. Jeder habe die Waffen niederzulegen. Der
Unfug hatte den höchsten Grad erreicht. Nicht lange vorher
war ein Herzog von Camerino, welcher von Rom nach Genazzario
ritt, ermordet worden. Man glaubte vom eigenen Oheim
und beschuldigte deshalb den Cardinal Cibo. 2 Am 15. Juli
hatte man zwei Mörder aus Neapel — der eine hiess Paternoster,
der andere Avemaria •— aber erst nachdem sie 116 Mordthaten
verübt, hingerichtet. Man erwartete einen neuen Ausbruch
von Fehden zwischen den Colonna’s und Orsini’s. Im
Walde von Baccano hausten Corsen (der Signor Renzi, welcher
die Orsini aufreizte) und mordeten die Vorüberziehenden. Den
Cardinälen blieb nichts anderes übrig, als in das Verlangen
1 Hofier, Analecten zur Geschichte Deutschlands und Italiens, p. 57— 62 ?
2 Yettori p. 114.