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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 72. Band, (Jahrgang 1872)

Wahl  und  Thronbesteigung  Adrian’s  VI.

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Wache  zu  Fuss,  wie  die  dazu  gehörigen  Reiter  hielten  die  Zugänge ­
  zur  alten  Abtei  besetzt,  in  deren  wunderbarschönem
Kreuzgange  nun  die  Cardinäle  den  Papst  erwarteten.  Dieser
hatte,  wie  gewöhnlich,  am  frühen  Morgen  celebrirt.  Dann  begab ­
  er  sich  in  das  Chiostro,  wo  nun  ein  Cardinal  nach  dem
andern  ihm  die  Hand  küsste.  Hierauf  führten  sie  ihn  in  die
Kirche,  wo  erst  am  Grabe  des  h.  Paulus  die  üblichen  Gebete
verrichtet  wurden,  worauf  sich  Adrian  auf  einen  Thron  setzte
und  von  den  Cardinälen  die  Huldigung  empfing.  Dann  begab
sich  der  ganze  Zug  in  die  Sacristei,  wo  das  Consistorium  abgehalten ­
  wurde. 1  Wahrscheinlich  war  es  bei  dieser  Gelegenheit, ­
  möglicher  Weise  auch  schon  im  Chiostro,  dass  der  Cardinalbischof
  von  Ostia,  Bernardin  Carvajal,  in  längerer  wohlgesetzter ­
  Rede  die  Freude  ausdrückte,  neun  Monate  nach  dem
Tode  Leo’s  dessen  tüchtigsten  Nachfolger  begrüssen  zu  können.
Er  sprach  mit  grossem  Freimuthe  sodann,  dass  die  Kirche  unter
den  jüngsten  Päpsten  mannigfache  Mängel  erlitten,  wies  darauf
hin,  dass  der  grösste  darin  bestehe,  wenn  der  Gewählte  seine
Erhebung  der  Simonie  verdanke.  Es  war  eine  indirecte  Apologie ­
  seines  eigenen  früheren  Verfahrens,  als  er  erwähnte,  dass
zwar  Alexander  III.  nur  die  Häresie  als  Hinderniss  der  Papstwahl ­
  bezeichnet,  andere  Päpste  aber,  sowie  das  Constanzer  und
Basler  Concil  und  das  jüngste  lateranensische  auch  die  Simonie
als  von  jeder  kirchlichen  Würde  ausschliessend  bezeichnet  hätten.
Der  gegenwärtige  apostolische  Senat  habe  alle  Simonie  ferne
gehalten,  den  Papst,  ohne  dass  er  darum  gebeten  oder  sich  in
die  Wahl  eingemischt,  in  seiner  Abwesenheit  gewählt.  Der
Sprecher  konnte  von  den  früheren  Conclaven  am  besten  wissen,
welche  Ausnahme  dieser  Fall  bildete.
Es  habe  auch  andere  Krankheiten  in  der  Kirche  gegeben,
da  es  früheren  Päpsten  an  richtigem  Verständnisse  (intellectus),
Willen,  Wissen  und  Tugend  gefehlt  habe.  Ja  er  sprach  in  der
härtesten  Weise  aus,  dass  in  früheren  Zeiten  unwissende  und
faule,  mit  vielen  Lastern  erfüllte,  mit  keinen  Tugenden  geschmückte ­
  Päpste  gewählt  worden,  was  glücklicher  Weise  jetzt
ganz  anders  geworden  sei.  Adrians  Wissenschaft  bewiesen  die

1  So  nach  Vettori,  welcher  wissen  will,  dass  der  Papst  zuerst  das  Wort
ergriff.
            
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