226
Hofier.
Partei und sein Haus durch die Mediceer von Florenz ausgeschlossen
seien, an K. Franz und forderte ihn auf, ehe Papst
Adrian, der ja ganz und gar auf Seite des Kaisers stehe, 1 nach
Italien käme, sich nach Toscana zu werfen, das er mit Hülfe
der neuerungssüchtigen Bevölkerung von Florenz und Siena
ohne Schwierigkeit erobern könne. Allein der König, welcher
von einer Dame seines Hofes zur andern taumelte, hatte für
grössere Unternehmungen weder Willen noch Sinn; er machte
zwar grosse Versprechungen, gab jedoch nur 14,000 Ducaten
vielleicht mediceische.' Der Cardinal Soderino legte noch
von den flinigen bei und so bildete sich unter Renzo di Ceri
ein kleiner Heerhaufe. Die vertriebenen Sanesen schlossen sich
an denselben an, und nun hoffte Soderino, erst die Petrucci
in Siena zu stützen und dann auf Florenz einzuwirken und die
Mediceer zu verjagen. So war erst das Cardinalscollegium das
Echo der florentinischen Parteien geworden; dann wurde es
der Plebel, durch welchen Italien aus seinen Fugen gerissen,
und das Papstthum selbst in seinen Fundamenten erschüttert
werden sollte. Unter diesen Verhältnissen war die Reform der
florentinischen Verfassung durch den Cardinal von Medici erfolgt,
für welche am 11. Mai Alessandro di Pazzi in lateinischer
Rede dankte. Da aber hiedurch einerseits dem Cardinal Soderino
der Weg zum Papstthum, andererseits dem florentinischen
Adel der Weg zur Oligarchie verschlossen worden war, wurde
durch Luigi Alemanni, Sohn des Pier, eine Verschwörung gegen
den Cardinal Medici im Style jener angezettelt, welche
unter Sixtus IV. von den Pazzi ausgegangen war und die Ermordung
Julians von Medici in der Kathedrale von Florenz
veranlasst hatte. 1488. Jetzt sollte an dem Frolmleichnamstage,
und gerade während er feierlich das Sanctissimum trug
(19. Juni), der Cardinal überfallen und ermordet werden, als
einem Courier, der von Rom (und der Soderinischen Partei)
Depeschen nach Florenz bringen sollte, diese abgenommen
wurden. Man bemächtigte sich so weit wie möglich der Verschworenen;
allein die Häupter entflohen und nur die Handlanger
konnten ergriffen und bestraft werden. Die Folge des
1 Obligatissimo a Cesare. Dell’ istoria Florentina di Jacopo Pitti sino al
1529, libri due. L. II. p. 125.