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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 72. Band, (Jahrgang 1872)

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Hofier.

Partei  und  sein  Haus  durch  die  Mediceer  von  Florenz  ausgeschlossen ­
  seien,  an  K.  Franz  und  forderte  ihn  auf,  ehe  Papst
Adrian,  der  ja  ganz  und  gar  auf  Seite  des  Kaisers  stehe,  1  nach
Italien  käme,  sich  nach  Toscana  zu  werfen,  das  er  mit  Hülfe
der  neuerungssüchtigen  Bevölkerung  von  Florenz  und  Siena
ohne  Schwierigkeit  erobern  könne.  Allein  der  König,  welcher
von  einer  Dame  seines  Hofes  zur  andern  taumelte,  hatte  für
grössere  Unternehmungen  weder  Willen  noch  Sinn;  er  machte
zwar  grosse  Versprechungen,  gab  jedoch  nur  14,000  Ducaten
vielleicht  mediceische.'  Der  Cardinal  Soderino  legte  noch
von  den  flinigen  bei  und  so  bildete  sich  unter  Renzo  di  Ceri
ein  kleiner  Heerhaufe.  Die  vertriebenen  Sanesen  schlossen  sich
an  denselben  an,  und  nun  hoffte  Soderino,  erst  die  Petrucci
in  Siena  zu  stützen  und  dann  auf  Florenz  einzuwirken  und  die
Mediceer  zu  verjagen.  So  war  erst  das  Cardinalscollegium  das
Echo  der  florentinischen  Parteien  geworden;  dann  wurde  es
der  Plebel,  durch  welchen  Italien  aus  seinen  Fugen  gerissen,
und  das  Papstthum  selbst  in  seinen  Fundamenten  erschüttert
werden  sollte.  Unter  diesen  Verhältnissen  war  die  Reform  der
florentinischen  Verfassung  durch  den  Cardinal  von  Medici  erfolgt, ­
  für  welche  am  11.  Mai  Alessandro  di  Pazzi  in  lateinischer
Rede  dankte.  Da  aber  hiedurch  einerseits  dem  Cardinal  Soderino ­
  der  Weg  zum  Papstthum,  andererseits  dem  florentinischen
Adel  der  Weg  zur  Oligarchie  verschlossen  worden  war,  wurde
durch  Luigi  Alemanni,  Sohn  des  Pier,  eine  Verschwörung  gegen ­
  den  Cardinal  Medici  im  Style  jener  angezettelt,  welche
unter  Sixtus  IV.  von  den  Pazzi  ausgegangen  war  und  die  Ermordung ­
  Julians  von  Medici  in  der  Kathedrale  von  Florenz
veranlasst  hatte.  1488.  Jetzt  sollte  an  dem  Frolmleichnamstage,
  und  gerade  während  er  feierlich  das  Sanctissimum  trug
(19.  Juni),  der  Cardinal  überfallen  und  ermordet  werden,  als
einem  Courier,  der  von  Rom  (und  der  Soderinischen  Partei)
Depeschen  nach  Florenz  bringen  sollte,  diese  abgenommen
wurden.  Man  bemächtigte  sich  so  weit  wie  möglich  der  Verschworenen; ­
  allein  die  Häupter  entflohen  und  nur  die  Handlanger ­
  konnten  ergriffen  und  bestraft  werden.  Die  Folge  des

1  Obligatissimo  a  Cesare.  Dell’  istoria  Florentina  di  Jacopo  Pitti  sino  al
1529,  libri  due.  L.  II.  p.  125.
            
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