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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 72. Band, (Jahrgang 1872)

Wahl  und  Thronbesteigung  Adrians  VI.

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Gebeten  er  sich  am  26.  Juli  empfahl,  nicht  sein  Geist  ziehe
von  dannen!  1  Endlich  am  5.  August  waren,  mit  Ausnahme
der  portugiesischen,  die  spanischen  Schiffe  angelangt.  Eine
Heeresabtheilung  von  4000  M.,  geführt  von  einem  Schüler  des
grossen  Capitäns  Don  Gonsalvo,  Don  IJernandez  Andrada,  befehligte ­
  sie. 2  Der  Papst  hielt  am  5.  die  Vesper,  begab  sich
sodann  an  das  Ufer,  wo  er  an  die  Granden,  welche  ihn  begleitet ­
  hatten,  eine  Anrede  hielt,  seinen  Dank  gegen  Gott  aussprach ­
  und  die  Hoffnung,  die  ihm  anvertrauten  Schafe  in  unerschütterlichem ­
  Glauben  regieren  zu  können.  Dem  Kaiser
hatte  er  bereits  geschrieben,  er  hoffte  ihn  zur  Krönung  in  wenigen ­
  Jahren  in  Rom  zu  sehen.  Dann  bestieg  er  das  Fahrzeug,
welches  ihn  von  dem  spanischen  Königreiche  hinweg  nach
Italien  bringen  sollte,  von  der  Verwaltung  eines  auf  das  tiefste
zerrütteten  Reiches  zur  Regierung  der  im  Innersten  gebrochenen
Kirche.
So  rasch  und  unvermuthet  geschah  aber  der  Aufbruch,
dass  ein  Theil  des  spanischen  Gefolges,  vielleicht  nicht  ohne
S  geheime  Absicht  des  Papstes  zurückblieb.  Mit  Adrian  segelte
auch  der  Cardinal  Cesarini  ab.  Die  Flotte  führte  Lopez  Hurtado
  de  Mendoza,  Adrians  Freund  und  Genosse  in  den  Tagen
des  castilianischen  Aufstandes,  bereits  zum  Herzoge  von  Sessa,
Grafen  von  Cabra  ernannt.  Der  Botschafter  des  Königs  von
England,  der  Herzoge  von  Mailand  und  Ferrara,  der  Bischof
von  Feltre  mit  vielen  anderen  (spanischen)  Bischöfen  und  Erzbischöfen ­
  geleiteten  ihn.  Noch  von  Tarragona  aus  machte  der
Papst  (27.  Juli)  den  Kaiser  aufmerksam, 3  dass  durch  Karls
Ankunft  in  Spanien  sich  die  Gährung-  der  Gemüther  nicht
gebessert  hatte.  Die  wahrhaft  rührende  Treue  und  Anhänglichkeit ­
  Adrians  an  Karl,  dessen  erstem  Aufenthalte  in
Spanien  er  übrigens  die  Schuld  der  nachherigen  Wirren  zumass,
  Hessen  ihn  nicht  zur  Ruhe  kommen.  Noch  an  Bord  des
Schiffes,  das  ihn  von  Spanien  wegtrug,  fühlte  er  sich  veranlasst, ­
  den  Kaiser  auf  Dinge  aufmerksam  zu  machen,  die  ihm
nützlich  sein  konnten.  Sie  bezogen  sich  auf  die  Möglichkeit,

1  Ex  ea  corpore  quidem  non  animo  decedentem.  Gach.  p.  270.
2  Giovio,  vita  Adriaui  VI.  p.  119.
3  Gach.  n.  XXXIII.  Lanz  n.  35.
            
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