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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 72. Band, (Jahrgang 1872)

Wahl  und  Thronbesteignng  Adrian’ß  VI.

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Voll  Erstaunen  und  wie  in  Exstase  begriffen  blickte  das  Volk
den  Papst  an,  da  ihn  der  Adel  weniger  vorfiibrte,  als  vortrug, ­
  1  auf  seinen  Schultern  vom  Palast  Aljaferia  in  die  Stadt
brachte.  Ein  eigenes  Verhängniss  wollte,  dass,  als  Adrian  in
der  Hauptkirche  pontificirte,  die  über  dem  Altar  hängende  Oellampe
  zersprang  und  ihren  Inhalt  über  die  reichen  priesterlichen
  Gewänder  Adrians  und  seiner  Umgebung  ergoss.  Die
Zeitgenossen,  ebenso  frivol  als  abergläubisch,  brachten  nachher
dieses  Ereigniss  mit  dem  frühen  Tode  des  Papstes  in  Verbindung. ­
 2  Man  hielt  es  damals  für  classisch,  wie  Livius  gethan,
Missgeburten  aufzuzeichnen,  Vorbedeutungen  nachzugehen  und
später  folgende  Thatsachen  mit  auffälligen,  die  vorhergegangen
waren,  in  gesuchten  Causalzusammenhang  zu  bringen.
Die  Correspondenz  des  Papstes  mit  dem  Kaiser  hatte  in
dieser  Zeit  nicht  aufgehört.  Adrian,  welcher  in  Saragossa  fünf
Briefe  Karls  (vom  7.,  8-,  10.,  20.  März)  auf  einmal  erhalten,
schrieb  ihm  am  25.  März  von  Alfaro,  machte  ihn  mit  der  Veränderung ­
  der  Bulle  Leo’s  über  die  Cruzada  bekannt,  beschwerte
sich  aber  dabei  auch  über  die  wenige  Rücksicht,  welche  die
spanischen  Vicekönige  für  seine  Person  hätten  und  sprach  seinen
Willen  aus,  an  einem  allgemeinen  Frieden  unter  den  christlichen ­
  Mächten  zur  Vereinigung  derselben  zu  einem  Türkenkriege ­
  zu  arbeiten.  Karl  möge  vorderhand  zu  einem  Waffenstillstände ­
  von  einem  oder  zwei  Jahren  sich  bestimmen,  während
welchem  dann  der  Friede  abgeschlossen  werden  könne.  Adrian
werde  zu  diesem  Zwecke  von  Saragossa  aus  einen  Gesandten,
den  Erzbischof  von  Bari,  nach  Paris  senden.  Er  selbst  wollte
damals  auf  einer  venetianischen  Galeere,  welche  in  San  Sebastian ­
  zurückgehalten  wurde,  die  Reise  antreten.  Zugleich
verwandte  er  sich  bei  Karl  für  den  Herzog  von  Najera  als
Vicekönig  von  Neapel, 3  für  die  taugliche  Besetzung  der  Schatzmeisterstelle ­
  au  der  Behörde  (casa)  de  la  contractacion  de  las

1  Attonitus  gestatum  populus  inspectabat.  in  extasim  prae  admiratione  raptari
  videbatur.  P.  Martyr.  n.  758.
2  Giovio  p.  715.
3  Aneli  der  Markgraf  Johann  von  Brandenburg  befand  sieb  unter  den  Bewerbern ­
  um  diese  Stelle.  Brew.  2110.  Karl  ernannte  den  Charles  de
Lannoy  zum  Vicekönige.
            
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