Wahl und Thronbesteignng Adrian’ß VI.
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Voll Erstaunen und wie in Exstase begriffen blickte das Volk
den Papst an, da ihn der Adel weniger vorfiibrte, als vortrug,
1 auf seinen Schultern vom Palast Aljaferia in die Stadt
brachte. Ein eigenes Verhängniss wollte, dass, als Adrian in
der Hauptkirche pontificirte, die über dem Altar hängende Oellampe
zersprang und ihren Inhalt über die reichen priesterlichen
Gewänder Adrians und seiner Umgebung ergoss. Die
Zeitgenossen, ebenso frivol als abergläubisch, brachten nachher
dieses Ereigniss mit dem frühen Tode des Papstes in Verbindung.
2 Man hielt es damals für classisch, wie Livius gethan,
Missgeburten aufzuzeichnen, Vorbedeutungen nachzugehen und
später folgende Thatsachen mit auffälligen, die vorhergegangen
waren, in gesuchten Causalzusammenhang zu bringen.
Die Correspondenz des Papstes mit dem Kaiser hatte in
dieser Zeit nicht aufgehört. Adrian, welcher in Saragossa fünf
Briefe Karls (vom 7., 8-, 10., 20. März) auf einmal erhalten,
schrieb ihm am 25. März von Alfaro, machte ihn mit der Veränderung
der Bulle Leo’s über die Cruzada bekannt, beschwerte
sich aber dabei auch über die wenige Rücksicht, welche die
spanischen Vicekönige für seine Person hätten und sprach seinen
Willen aus, an einem allgemeinen Frieden unter den christlichen
Mächten zur Vereinigung derselben zu einem Türkenkriege
zu arbeiten. Karl möge vorderhand zu einem Waffenstillstände
von einem oder zwei Jahren sich bestimmen, während
welchem dann der Friede abgeschlossen werden könne. Adrian
werde zu diesem Zwecke von Saragossa aus einen Gesandten,
den Erzbischof von Bari, nach Paris senden. Er selbst wollte
damals auf einer venetianischen Galeere, welche in San Sebastian
zurückgehalten wurde, die Reise antreten. Zugleich
verwandte er sich bei Karl für den Herzog von Najera als
Vicekönig von Neapel, 3 für die taugliche Besetzung der Schatzmeisterstelle
au der Behörde (casa) de la contractacion de las
1 Attonitus gestatum populus inspectabat. in extasim prae admiratione raptari
videbatur. P. Martyr. n. 758.
2 Giovio p. 715.
3 Aneli der Markgraf Johann von Brandenburg befand sieb unter den Bewerbern
um diese Stelle. Brew. 2110. Karl ernannte den Charles de
Lannoy zum Vicekönige.