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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 72. Band, (Jahrgang 1872)

Wahl  und  Thronbesteigung  Adrian’s  YI.

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rüstung  einer  bewaffneten  Macht  (1500  Soldaten)  gearbeitet
wurde,  um  den  Papst  durch  den  gefährlichsten  Thcil  des  mittelländischen ­
  Meeres,  den  Golf  von  Lyon,  von  der  französischen
Küste  nach  Civita  Yecchia  und  Ostia  zu  billigen.  Die  Schwierigkeit ­
  der  Stellung  des  neuen  Papstes  zu  den  einander  so
feindlichen  Höfen  machte  sich  allmälig  bemerklich.  Adrian
hatte,  wie  anderen  Königen  und  Fürsten,  so  auch  an  K.  Franz
von  Frankreich,  an  die  Königin  Ludovica  und  die  Schwester
des  Königs  geschrieben  und  ihnen  seine  Wahl  mitgetheilt.  Ob
der  König  im  Herzen  damit  einverstanden  war  oder  nicht, 1  die
natürliche  Klugheit  musste  ihm  rathen,  den  Nachfolger  Papst
Leo’s  X.,  seines  Gegners,  nicht  von  Anfang  an  auf  die  Seite
seiner  Feinde  zu  treiben.  Er  beschloss,  ihm  durch  eine  feierliche ­
  Gesandtschaft,  an  deren  Spitze  der  Erzbischof  von  Paris
stehen  sollte,  Glück  wünschen  zu  lassen,  wie  nachher  Adrian
beschloss,  den  Erzbischof  von  Bari  an  K.  Franz  zu  senden.
Allein  der  blosse  Gedanke,  dass  Franzosen  das  spanische  Gebiet ­
  betreten  würden,  war  für  K.  Karl  unerträglich.  Er  schrieb
Adrian 2 ,  Alles  aufzubieten,  dass  er  mit  diesen  Personen  nicht  zusammen ­
  komme.  Der  fiath,  Adrian  möge  seine  Abreise  beschleunigen, ­
  stimmt  hie  mit  zusammen.  Kaum  hatte  Lopez  Hurtado
  de  Mendoza  bemerkt,  dass  in  der  Umgebung  Adrians  der
Gedanke  auftauche,  der  Papst  solle  eine  neutrale  Stellung  einnehmen, ­
  so  rieth  er  auch  schon  seinem  Herrn,  diese  Personen,
und  vor  Allen  seinen  Mundschenken  Franz,  welcher  im  Zimmer
Adrians  schlafe  und  ihn  in  Allem  bediene,  zu  bestechen. 3
Der  Papst  befand  sich,  ohne  eine  Vermuthung  zu  hegen,  unter
der  geheimen  Polizei  der  Spanier.  Der  Kaiser  möge  ferner  dem
Papste  oft  schreiben,  Sorge  tragen,  dass  die  spanischen  'Galeeren ­
  zuerst  zur  Ueberfahrt  bereit  seien.

1  Aus  den  vertrauten  Aeusserungen  der  französisch  Gesinnten  zeigt  sich
hinlänglich,  wie  unangenehm  ihnen  die  Wahl  war.  So  z,  13.  Francesco
Vettori  an  den  LHschof  von  Bayeux:  —  come  fia  possibile  che  tanti  Cardinali
  fossero  d’accordo  a  far  questo  Papa,  in  ehe  io  non  so  trovare  ragione.
  Lettere  di  principi  I.  p.  96.  Vergl.  damit  die  Antwort  des  Bischofs ­
  von  Bayeux  p.  101:  —  il  tempo  non  basta  per  isminuire  la  novita
  di  tal  caso,  il  quäle  ogni  di  appresso  di  me  si  fa  piii  nuovo.
2  Brüssel  9.  März  1522.  Gach.  n.  XV.
3  Gach.  p.  49.  n.  XVI.
            
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