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Höfler.
gewählt; die Partei der Orsini war somit von selbst nicht für
ihn. Die Römer erwarteten Julius von Medici oder Farnese,
die ihnen wohl bekannt waren. Adrian aber war, wenn sie
ihn als Spanier oder als Deutschen auffassten, gleich unangenehm.
Es verbreitete sich das Gerücht, nur um Zeit zu gewinnen,
sei sein Name im Conelave aufgeworfen worden.'
Sahen die Einen in seiner gänzlich unverhofften Wahl ein
Werk des h. Geistes, welcher die Widerstrebenden zu einer
Wahl gezwungen, die ihnen selbst als ein Räthsel erschien; so
erblickten Andere darin ein Werk des Zufalles oder der Bemühungen
des Dominikaner - Generales Thomas von Gaeta,
welcher sich zum Lobredner des Abwesenden gemacht hatte
imd mit ihm durchgedrungen war. Im einen wie im andern
Falle war er den Römern verhasst. Man befürchtete eine neue
avignonische Periode. Rom sei zu vermiethen, hiess es, weil
man glaubte, Adrian würde Spanien gar nicht verlassen.
Man hatte sich italienischer Seits so lange daran gewöhnt,
die Vertreibung der Barbaren aus Italien als Nationalsache anzusehen,
die Päpste hatten sie zur Aufgabe des Kirchenstaates
gemacht. Jetzt erhielt die Kirche einen Barbaren 2 zum Papste,
der' Kirchenstaat einen Fremden zum Oberhaupte, während
andererseits der Cardinal von Sion meinte, die Wahl sei vom
h. Geiste dietirt. 3 Alles schien ja aus den Fugen zu gehen,
als die Cardinäle von einem System abgingen, welches seit der
Rückkehr von Avignon beharrlich eingeschlagen worden war
und die oberste Leitung der Kirche einem Manne übergeben
wurde, dessen Frömmigkeit,* Gelehrsamkeit, Erfahrung und persönliche
Unbescholtenheit notorisch waren, dem aber in den
Augen der Italiener das erste und vorzüglichste Erforderniss
zur Leitung der Christenheit fehlte, er war kein Römer, kein
Italiener, sprach nicht einmal Italienisch und genau betrachtet
war er selbst — ein Deutscher. — Dieses aber unter so eigenthümlichen
Verhältnissen, bei so grosser Ueberschuldung der
kirchlichen Regierung, dass man urtheilte, das Pontificat Leos
gehe nicht mit seinem Tode zu Ende, sondern werde sich —
1 Wie Guicciardini angibt.
2 Guicciardini libre XIV. p. 1112.
3 Brew. n. 20S2.