Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 72. Band, (Jahrgang 1872)

Wahl  und  Thronbesteigung  Adrian’s  VI.

179

Pace  niclit  zur  Wahl  eintraf,  sei  es  durchaus  nicht  wahrscheinlich, ­
  dass  Don  Manuel  sich  zu  Gunsten  Medici’s  verwendet
habe.  Der  Erfolg  beweise  das  Gegentheil.  An  die  Wahl
Adrians  sei  von  keiner  Partei  gedacht  worden. 1  Wolsey
  möge  sich  darüber  freuen,  dass  ein  Mann  befördert  wurde,
welcher  ihm  mehr  als  irgend  ein  anderes  Mitglied  des  h.  Collegiums ­
  Gunst  gewähren  könne.  —  Man  vereinigte  sich  mehr
und  mehr  in  der  Ansicht,  Medici,  verzweifelnd  die  Opposition
Colonna’s  zu  bewältigen,  habe,  um  jeden  anderen  Italiener  auszuschliessen,
  Adrian  in  Vorschlag  gebracht,  Colonna  habe  sich
mit  8  Stimmen  angeschlossen,  dann  die  übrigen. 2
Je  mehr  man  jedoch  die  Sache  untersucht,  desto  grösser
werden  die  Widersprüche,  wie  sie  eben  aus  einer  falschen  und
doppelzüngigen  Politik  kervorgehen.
Da  bemühte  sich  später  der  spanische  Botschafter,  Don
Juan  Manuel,  die  Sache  in  ganz  anderem  Lichte  darzustellen.
Ihm  zufolge  waren  die  Cardinäle  Medici,  Valla,  Sion,  Campeggio,
  Cesarini,  die  Florentiner,  Cesi  und  Farnese  auf  Seite
Adrians  gestanden,  Santa  Croce,  Vico,  Trani  und  Pisano
schwankend,  während  die  Feindschaft  der  Cardinäle  von  Völterra,
  Colonna,  Orsini,  Ancona,  Flisco,  Como,  Cavallön,  Monte
Araceli,  Grassi,  Grimani,  Cornaro,  welche  die  französische  Partei
bildeten,  so  offen  hervortrat,  dass  sie,  nachdem  Adrian  schon
gewählt  war,  mit  dem  Plane  umgingen,  einen  französisch  gesinnten ­
  Papst  zu  wählen.  Um  jeden  Preis,  möchte  ich  sagen,
suchte  Don  Juan  Manuel  Adrian  zu  überreden,  nur  König
Karl  sei  Ursache  von  seiner  Wahl  gewesen,  er  behauptete  diese
Thesis  auch  im  Widerspruche  mit  dem  Papste  selbst.  Er  kam
selbst  auf  dieses  Thema  später  nochmal  zu  sprechen,  um  den
Beweis  seiner  Behauptung  zu  führen.  K.  Karl  habe  nämlich
noch  vor  dem  Conclave  Adrian  bezeichnet,  was  gar  nicht  mit
Abwesenden  zu  geschehen  pflege. 3  Aber  selbst  wenn  das
Letztere  wahr  war,  so  folgte  noch  immer  nicht  dasjenige,  was

1  The  election  of  Adrian  was  not  contemplated  by  any  party,  jedenfalls  ein
merkwürdiges  Geständniss,  dass  Karl  selbst  an  Adrians  Erhebung  nicht
betheiligt  war.
2  Spinelli  to  Wolsey.  Brew.  n.  1978.
3  Cosa  non  usada  con  los  ausentes.  Rom  21.  April  1522.  Gach.  n.  XXIT.
12*
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.