Wahl und Thronbesteigung Adrian’s VI.
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werde, schien denn doch zu sehr allen Traditionen zu widersprechen.
Zu den vielseitigen Parteiungen, die sich in ihren
Bestrebungen kreuzten, kam jetzt auch dazu, dass die älteren
Cardinäle, von welchen wohl jeder sich als der Würdigste ansah,
keinen unter 50 Jahren wählen wollten. Noch standen
die kaiserliche und die französische Partei einander schroff
gegenüber und man hielt selbst dafür, dass die Sedisvacanz nur
kurz sein werde, man werde die französischen Cardinäle nicht
erwarten, sie geradezu ausschliessen, ein Plan, der dem kaiserlichen
Botschafter Don Manuel zugeschrieben wurde und hei
den englischen Gesandten Unterstützung fand. 1 Als Prospero
Colonna den zum Conclave reisenden Cardinal von Ivrea unterwegs
zwischen Pavia und Piacenza aufhob und in das Schloss
von Pavia bringen liess, glaubte man, es sei dies ein Werk
des Cardinais von Medici. Die Folge war aber nur, dass die
Cardinäle beschlossen, nicht eher das Conclave zu beziehen,
als bis der gefangene Cardinal seine Freiheit erhalten hätte. 2
Man glaubte in Paris, der Cardinal Colonna habe am meisten
Aussicht; in Rom wollte man gleich anfänglich wissen, der
Cardinal - Farnese, einst ein Liebling P. Alexanders VI. und
noch nicht 25 Jahre alt von diesem am 20. September 1493 zum
Cardinal erhoben, werde Papst, so dass dann das Haus Medici,
das ursprüngliche florentinische Kaufhaus durch ein ursprünglich
deutsches abgelöst worden wäre, welches freilich an Alter, Berühmtheit,
Würde und Einfluss jenem bedeutend nachstand.
Schon am 8. December kamen die Cardinäle über die Form
der Abstimmung überein, jedoch wurde nach dem Cereinonienmeister
Blasius von Cesena erst am 29. beschlossen, geheime
Abstimmung zu halten, d. li. der Name des Wählers sollte bei
Abgabe des schriftlichen Votums versiegelt übergeben, der versiegelte
Zettel aber mit einem Zeichen versehen werden, um
den Zutritt zu einem Gewählten zu erleichtern; ein Beschluss,
welcher aber nie mit Majorität angenommen wurde, da er eine
Neuerung in sich schloss.
Nach Guicciardini waren 39 Cardinäle am 27. December
anwesend, nach andern 4 Cardinalbischöfe, 20 Priester, 10 Dia-1
Brewer n. 1885.
2 Brewer n. 1895.