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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 72. Band, (Jahrgang 1872)

Wahl  und  Thronbesteigung  Adrian’s  VI.

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werde,  schien  denn  doch  zu  sehr  allen  Traditionen  zu  widersprechen. ­
  Zu  den  vielseitigen  Parteiungen,  die  sich  in  ihren
Bestrebungen  kreuzten,  kam  jetzt  auch  dazu,  dass  die  älteren
Cardinäle,  von  welchen  wohl  jeder  sich  als  der  Würdigste  ansah, ­
  keinen  unter  50  Jahren  wählen  wollten.  Noch  standen
die  kaiserliche  und  die  französische  Partei  einander  schroff
gegenüber  und  man  hielt  selbst  dafür,  dass  die  Sedisvacanz  nur
kurz  sein  werde,  man  werde  die  französischen  Cardinäle  nicht
erwarten,  sie  geradezu  ausschliessen,  ein  Plan,  der  dem  kaiserlichen ­
  Botschafter  Don  Manuel  zugeschrieben  wurde  und  hei
den  englischen  Gesandten  Unterstützung  fand. 1  Als  Prospero
Colonna  den  zum  Conclave  reisenden  Cardinal  von  Ivrea  unterwegs ­
  zwischen  Pavia  und  Piacenza  aufhob  und  in  das  Schloss
von  Pavia  bringen  liess,  glaubte  man,  es  sei  dies  ein  Werk
des  Cardinais  von  Medici.  Die  Folge  war  aber  nur,  dass  die
Cardinäle  beschlossen,  nicht  eher  das  Conclave  zu  beziehen,
als  bis  der  gefangene  Cardinal  seine  Freiheit  erhalten  hätte. 2
Man  glaubte  in  Paris,  der  Cardinal  Colonna  habe  am  meisten
Aussicht;  in  Rom  wollte  man  gleich  anfänglich  wissen,  der
Cardinal  -  Farnese,  einst  ein  Liebling  P.  Alexanders  VI.  und
noch  nicht  25  Jahre  alt  von  diesem  am  20.  September  1493  zum
Cardinal  erhoben,  werde  Papst,  so  dass  dann  das  Haus  Medici,
das  ursprüngliche  florentinische  Kaufhaus  durch  ein  ursprünglich
deutsches  abgelöst  worden  wäre,  welches  freilich  an  Alter,  Berühmtheit, ­
  Würde  und  Einfluss  jenem  bedeutend  nachstand.
Schon  am  8.  December  kamen  die  Cardinäle  über  die  Form
der  Abstimmung  überein,  jedoch  wurde  nach  dem  Cereinonienmeister
  Blasius  von  Cesena  erst  am  29.  beschlossen,  geheime
Abstimmung  zu  halten,  d.  li.  der  Name  des  Wählers  sollte  bei
Abgabe  des  schriftlichen  Votums  versiegelt  übergeben,  der  versiegelte ­
  Zettel  aber  mit  einem  Zeichen  versehen  werden,  um
den  Zutritt  zu  einem  Gewählten  zu  erleichtern;  ein  Beschluss,
welcher  aber  nie  mit  Majorität  angenommen  wurde,  da  er  eine
Neuerung  in  sich  schloss.
Nach  Guicciardini  waren  39  Cardinäle  am  27.  December
anwesend,  nach  andern  4  Cardinalbischöfe,  20  Priester,  10  Dia-1

  Brewer  n.  1885.
2  Brewer  n.  1895.
            
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