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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 72. Band, (Jahrgang 1872)

''Vah!  und  Thronbesteigung  Adrian’s  VI.

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näherer  Betrachtung  doch  immer  mehr  heraus,  dass  seihst  der
stärkste  (Medici)  nicht  so  stark  war,  eine  Wahl  für  sich  zu
Stande  zu  bringen,  die  übrigen  aber,  Farnese,  Colonna  —  mehr
Löwe  als  Fuchs,  wie  ihn  der  englische  Gesandte  beschreibt,
wohl  mächtig  genug  waren,  jede  ihnen  unangenehme  Wahl  zu
hindern,  aber  nicht  stark  genug,  eine  ihnen  genehme  durchzusetzen. ­
  Die  Cardinäle,  welche  nicht  geradezu  gegen  Medici
waren,  fürchteten  dann,  er  möge,  wenn  er  selbst  nicht  durchdränge, ­
  die  Wahl  des  Cardinais  von  York,  des  quatuor  sanctorum,
  des  Card.  Aegidius  durchsetzen  und  factisch  statt  des
Gewählten  regieren.  Von  den  auswärtigen  Cardinälen  war  nur
Wolsey  zu  fürchten.  Er  war  der  Repräsentant  der  engen  Verbindung ­
  der  Häuser  Habsburg  und  Tudor,  Spaniens  und  Deutschlands ­
  mit  England,  eine  grosse  politische,  aber  eine  minder
kirchliche  Capacität.  Er  selbst  konnte  auf  die  Zustimmung-Karls
  V.  und  Heinrichs  VIII.  rechnen,  in  deren  Interesse  er
ja  auch  das  Papstthum  zu  führen  gedachte. 1  Uebrigens  war
nicht  im  entferntesten  daran  zu  denken,  dass  die  italienischen
Cardinäle,  welche  die  überwiegende  Mehrzahl  besassen,  einen
auswärtigen  Cardinal  wählen  würden,  wenigstens  so  lange  gewiss ­
  nicht,  als  die  mindeste  Hoffnung  vorhanden  war,  einen
der  Ihrigen  durchzusetzen.
So  standen  denn  wohl  persönliche  Interessen  im  Cardinalscollegium
  einander  so  schroff  als  möglich  gegenüber,
wie  aber  sich  mit  diesen  das  allgemeine  und  höhere  verknüpfen, ­
  wie  dieses  zum  Siege  kommen  würde,  konnte  Niemand ­
  sagen.  Man  musste  sich  gestehen,  dass  die  Lage  der
Christenheit  niemals  trostloser  war  als  jetzt.  Alle  Mittel  der
früheren  Zeit  waren  verbraucht,  keines  schlug  mehr  an,  und
hatte  man  bei  dem  letzten  lateranischen  Concil  als  einzige
Hoffnung  auf  dieses,  ein  Concil  hingewiesen,  so  war  jetzt  trotz
desselben  die  Regierung  der  Kirche  in  die  Hände  einer  welschen
Oligarchie  gelegt  worden,  die  für  das  Allgemeine  kein  Verständniss
  hatte.  Dazu  kam  die  Spaltung  unter  den  christlichen
Staaten,  Fürsten  und  Völkern,  eine  Bewegung  in  den  niederen
Classen  gegen  die  höheren,  welche  sich  von  den  Bauern  Un-1

  For  no  otlicr  purpose,  sagte  er  selbst,  ccrald  he  desire  the  papacy  except
to  exalt  your  majesties!  Brew.  n.  1884.

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