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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 72. Band, (Jahrgang 1872)

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Hofier,

Staates  zu  Fürstenthümern  gelange.  Allein  M T ar  dieses  etwas
anderes  als  was  man  bei  Innocenz  VIII.  zu  Gunsten  der  Cibo’s,
bei  Alexander  VI.  zu  Gunsten  der  Borgia’s,  bei  Julius  II.  zu
Gunsten  der  Rovere’s  erlebt  hatte?  Und  wenn  es  bei  Leo  X.
nicht  in  dieser  Art  geschehen  war,  so  lag  die  Ursache  darin,
dass  bei  den  Mediceern  die  Haupttendenz  der  Politik  darauf
gerichtet  war,  ihrem  Geschlechte  den  Besitz  von  Florenz  theils
zu  verschaffen,  theils  zu  erhalten.  Gerade  um  die  Person  des
Cardinais  von  Medici  drehte  sich  die  ganze  Politik  derjenigen
Fürsten,  welche  schon  wegen  Italiens  an  der  Papstwahl  unmittelbar ­
  betheiligt  waren.  K.  Franz  I.  sah  in  dem  Cardinal
von  Medici  die  Ursache  des  französisch  -  italienischen  Krieges,
seiner  eigenen  Niederlage,  des  Verlustes  von  Italien  für  die
Franzosen.  Er  gedachte  jetzt  das  Verlorene  wieder  zu  gewinnen, ­
  Mailand  zu  erobern.  Er  verfügte  über  zehn  Cardinäle
und  war  so  entschlossen,  die  Wahl  des  Cardinais  von  Medici
zu  hindern,  dass  er  erklären  Hess,  würde  dieser  gewählt,  so
solle  auch  kein  Mann  in  seinem  Königreiche  mehr  der  römischen ­
  Kirche  gehorchen.  1  Dies  war  klar  gesprochen  und  die
öfter  ausgesprochenen  Befürchtungen,  es  möchte  zum  Schisma
kommen,  waren  daher  nichts  weniger  als  grundlos.
Von  den  älteren  Cardinälen  war  der  Venetianer  Grimani,
Sohn  des  Dogen,  dem  Tode  nahe.  Er  eilte  zum  Conclave,
musste  aber  mit  dem  Tode  ringend  aus  diesem  hinweggebracht
werden. 2  Bernardinus  Carvajal,  ein  Spanier,  hatte  schon  nach
dem  Tode  Pius  III.  Aussicht,  Papst  zu  werden.  Der  Umstand,
dass  er  übergangen  wurde,  mag  nicht  ohne  Einfluss  geblieben
sein,  dass  er  nachher  Iv.  Ludwig  XII.  die  Hand  bot,  um  gegen
Julius  II.  als  Gegenpapst  aufzutreten.  Doch  wurde  er  nachher
von  diesem  wieder  in  Gnaden  aufgenommen.  Allein  einen
Spanier  zu  wählen,  mochte  mehr  als  Einem  seiner  Collegen  als
bedenklich  erscheinen,  da  die  Abhängigkeit  von  spanischen
Interessen  mit  Recht  im  hohen  Grade  befürchtet  werden  mochte.
So  viele  von  den  in  Rom  ansässigen  Cardinälen  auch  das  Papstthum ­
  für  sich  in  Anspruch  nehmen  mochten,  es  stellte  sich  bei

1  State  papers  III.  2.  p.  835.
2  1.  c.  n.  1932.  Gradenigo  sagt:  e  fatto  lo  scratinio  il  Cardinal  Grimani
vista  la  sun  ballottazione  ed  esser  maltrattato  usci  dal  conclave.
            
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